21.01.2013, 18:34  von Oliver Jaindl

Bei A-Tec droht Aufbegehren der Anleger

Bild: WB/Mayr

Verluste. Nach Bekanntwerden von Details aus dem Strafakt A-Tec braut sich ein Gewitter zusammen: Mehr als 60 Investoren konsultierten Anwälte. Diese sondieren nun Ansprüche.

Wien. Bei A-Tec ziehen weitere dunkle Wolken am Horizont herauf. Derzeit mehren sich bei Anwälten Anfragen von Anlegern – eine mögliche Beklagte wäre nicht nur die entschuldete, aber de facto vermögenslose Industrieholding A-Tec, sondern auch ihr Vorstandschef Mirko Kovats. 

Berater-Haftung

Wie berichtet, prüft Anlegeranwalt Eric Breiteneder bereits Klagen. Er vertritt ein Dutzend Anleihe-Inhaber (die vorerst 39 Prozent Quote bekamen).

Breiteneder geht es aber nicht nur um die Zeit kurz vor dem Sanierungsverfahren: Bereits 2007 hätten „möglicherweise nicht ganz richtige Zahlen in Abschlüssen, nicht mehr bediente Steuerschulden und Abflüsse an Kovats’ Privatstiftung“ auf die sich eintrübende Liquiditätssituation hingedeutet.

Dazu kommen strategisch nicht nachvollziehbare Investments, wie in die Flugzeug-Tochter A-Jet (49 Millionen €). Beratern als auch Banken (eine hat etwa den Börsegang begleitet und später Anlegern A-Tec empfohlen, Anm.) hätte dies  zu denken geben müssen: A-Tec hätte nicht als sicheres Investment dargestellt werden dürfen, so Breiteneder.

In der Kanzlei von Michael Poduschka mehren sich derzeit die Beratungen – vor allem von Streubesitzaktionären des früheren, zu drei Viertel Vorständen gehörenden Industrieimperiums: „Bei uns meldeten sich 50 Anleger.“

Poduschka sieht „Möglichkeiten für Zeichner  von A-Tec, gerichtlich vorzugehen“.  Kovats wurde 2012 wegen irreführender Ad-Hoc-Meldungen aus dem Jahr 2010 von der FMA bestraft  (er bekämpft die Bescheide, Anm.). Diese Verstöße könnten Anleger „ unmittelbar zur Klagsführung berechtigen“.

Zulässige Behauptung

Und dann wäre da noch ein Detail aus der Vergangenheit: 2007 hatte Kovats Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessensverband  für Anleger (IVA), wegen kritischer Äußerungen  geklagt: Rasinger hatte gesagt, dass der Börseprospekt nicht ausreichend auf Risiken des teils fremdfinanziert gewachsenen Konzerns hinweise. Rasinger gewann den Prozess, die Behauptung war zulässig.

Hier hakt Poduschka ein: „Auch Berater und Banken hätten wie der IVA kritisch sein und Anleger auf diese Risken hinweisen müssen.“ Dazu kommt, dass es bereits im Geschäftsbericht 2006 Hinweise auf bestehende Liquiditätsrisken habe.  Weiters werden Ermittlungen zeigen, ob der Aktienmarkt früher richtig informiert wurde: War dem nicht so, flamme die Frage der Vorstandshaftung auf.

Stiftungs-Bollwerk

Für Rasinger ist der Fall spannend, zumal ihn Kovats dreimal geklagt hatte (einen Prozess gewann Rasinger, zwei endeten mit Vergleichen): „Die Frage ist, gegen wen sich etwaige Klagen richten. Einfacher werden sie gegen Berater sein, schwieriger gegen Kovats wegen der Konstruktionen im Hintergrund.“ Kovats’ Anwalt war vorerst nicht erreichbar.

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