27.05.2014, 14:18  von Leo Himmelbauer

Gewinneinbruch bei der Nationalbank und ein Rücktritt-Ruf an Claus Raidl

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny / Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Der Gewinn der Österreichischen Nationalbank ist im Vorjahr auf 298 Millionen Euro gefallen. Die Dividende an den Bund wird gekürzt. Die Goldreserven liegen unverändert bei 280 Tonnen.

Wien. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat im Geschäftsjahr 2013 ein gutes Ergebnis erreicht, sagte  Präsident Claus J. Raidl am Dienstag. Allerdings:  Das erwirtschaftete Ergebnis lag mit 662 Millionen Euro um ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Nach der Zuführung zur Risikorückstellung in Höhe von 300 Millionen Euro, den Abschreibungen auf Fremdwährungen und Wertpapiere von insgesamt 73 Millionen Euro und der kompletten Auflösung der Rückstellung im Zusammenhang mit geldpolitischen Geschäften des Eurosystems von neun Millionen Euro ergibt sich für 2013 ein geschäftliches Ergebnis von 298 Millionen Euro,  minus 21 Prozent.

Gold-Inventur in London: Rechnungshof prüft nach FPÖ-Druck Österreichs Goldschatz

Gouverneur Ewald Nowotny führt den Rückgang beim erwirtschafteten Ergebnis im Wesentlichen darauf zurück, dass das Nettozinsergebnis - die traditionell wichtigste Ertragskomponente einer Zentralbank - sich gegenüber 2012 bedingt durch die Niedrigzinspolitik der EZB um 18 Prozent auf 834 Millionen Euro reduzierte.

Die OeNB hat seit 2006 2,9 Milliarden Euro an Risikorückstellungen aufgebaut. Die gesamten Risikovorsorgen (inklusive Mittel zur Verlustabdeckung) liegen bei 6,4 Millarden Euro.

Der Bund erhält vom geschäftlichen Ergebnis 256 Millionen Euro (2012 waren es 349 Millionen), wovon 75 Millionen Euro auf die Körperschaftsteuer und 181 Millionen Euro  auf den 90prozentigen Gewinnanteil des Bundes entfallen.

Der Bund macht sich im kommenden Jahr offenbar auf einen neuerlichen Gewinnrückgang bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) gefasst. Im Bundesvoranschlag sind laut Medieninformationen kommendes Jahr nur 100 Millionen Euro fürs Budget veranschlagt. Notenbankchef Ewald Nowotny sagte heute, es sei zu früh für solche Schätzungen. Das Ergebnis hänge sehr wesentlich von der Zinsentwicklung ab.

Österreichs Banken fahren 2013 Milliardenverlust ein

Die Nettowährungsposition der Nationalbank verringerte sich um 4,7 Milliarden Euro auf 13,4 Milliarden Euro. Der Rückgang gegenüber dem Bilanzstichtag 2012 ist im Wesentlichen auf verminderte buchmäßige Kursgewinne bei Gold aus der Bewertung zum 31. Dezember 2013 zurückzuführen. Von der Nettowährungsposition entfallen 7,8 Milliarden Euro auf Goldbestände. Die von der OeNB gehaltenen Goldreserven betragen 280 Tonnen. Dieser Bestand ist seit 2007 unverändert. Gemäß dem aktuellen Lagerstellenkonzept hält die OeNB derzeit 17 Prozent ihrer Goldbestände in Österreich, 80 Prozent im Vereinigten Königreich und drei Prozent in der Schweiz.

Rücktritt von Raidl gefordert

"Diese Verwahrung auf internationalen Goldhandelsplätzen hat den essenziellen Vorteil, dass größere Mengen im Bedarfsfall schnell in gängige Reservewährungen eingetauscht werden können", heisst es. Dem steht die  Initiative 'Rettet unser österreichisches Gold' entgegen, für die sich sich FPÖ-Nationalratsabgeordneter Gerhard Deimek einsetzt.  "Unser Ziel ist dann erreicht, wenn das Gold der OeNB zur Gänze und physisch in Österreich gelagert und diese eiserne Reserve garantiert nicht verkauft wird", sagte Deimek am Dienstag - und er forderte den Rücktritt von OeNB-Präsident Claus Raidl. Der Grund:  Raidl habe im Zusammenhang mit der  Fragestellungen der Goldlagerung bei der Pressekonferenz von "einfachen Gemütern" gesprochen.  Deimek: "Diese Präpotenz und herablassende Haltung gegenüber den Anliegen der Menschen disqualifiziert ihn. Herr Raidl: Entschuldigen Sie sich und treten Sie ab."

Vergangene Woche haben Experten der Notenbank und Vertreter des Rechnungshofs die Goldreserven überprüft, vor dem Wochenende auch in London. Das Gold sei dabei gewogen und in seiner Konsistenz geprüft worden. Seinen Informationen nach kam der Rechnungshof zum Schluss, dass alles in Ordnung ist, sagte Gouverneur Nowotny. Eine Rückführung nach Wien ist laut Notenbank höchstens in kleinen Mengen ein Thema. Aber da will man auch noch Erfahrungen der Deutschen Bundesbank abwarten.

Externen Optimierungsanalyse

Das anhaltend niedrige Zinsniveau bei der Veranlagung der Reserven und der damit einhergehende steigende Ertragsdruck machen nachhaltige Kosteneinsparungen notwendig, sagte OeNB-Gouverneur Nowotny. Ein externer Berater werde daher von Mitte 2014 bis Mitte 2015 die gesamte Ablauf- und Aufbauorganisation der OeNB durchleuchten und dabei helfen, Synergien zu heben und Kosten zu senken. Eckpunkte der Untersuchung seien die Neudefinition und Überarbeitung des Aufgabenportfolios, die Steigerung der Effektivität und der Effizienz sowie Potenziale für mögliche Auslagerungen. Ziel dieser Unternehmensanalyse sei  es, ein modernes, leistungsorientiertes, effizientes und ertragsstarkes Unternehmen zu formen.

Nowotny kündigte eine Klausur von Direktorium und Beratern an. Wieviel eingespart werden soll und wie viele Beschäftigte das treffen wird, wurde am Dienstag ebenso wenig verraten wie das "Zielkonzept". Es sollen Synergien gehoben und Kosten gespart werden, auch Potenziale für Auslagerungen.

Für den Rückzug aus bankfremden Beteiligungen sind gerade für die Casino-Anteile (die über die Notenbanktochter Münze gehalten werden) Bewertungsgutachten in Arbeit, die bis Mitte des Jahres fertig sein sollen. Bisher ist wie berichtet davon die Rede, dass das Paket an die Staatsholding ÖIAG gehen könnte. Bevor die Anteile aber in die ÖIAG wandern können, muss nach Notenbankangaben sichergestellt sein, dass dies nicht als Staatsfinanzierung bewertet werden kann.

Nowotny will bis 2019 bleiben

Gouverneur Ewald Nowotny will seinen bis 2019 laufenden Vertrag ausfüllen. "Selbstverständlich", wie er am Dienstag auf Nachfrage betonte. Anderslautende Zeitungsspekulationen nannte er heute eine "eigenartige und unnötige Diskussion."

Auch der Generalrat der  Nationalbank hat am Dienstag dem Gouverneur den Rücken gestärkt. Es denke niemand an eine Ablöse, jeder im Generalrat habe vollstes Vertrauen in Nowotny, dem Österreich und die Bank eine "unglaubliche Reputation" verdankten und der unverzichtbar sei, sagte OeNB-Präsident Claus Raidl nach der Generalversammlung am Dienstag. "Ich werde alles tun, dass er die sechs Jahre ausfüllt."

Auch Österreichs Goldreserven waren zuletzt wieder Thema in der Öffentlichkeit. Vergangene Woche haben Experten der Notenbank und Vertreter des Rechnungshofs die Goldreserven überprüft, vor dem Wochenende auch in London. Das Gold sei dabei gewogen und in seiner Konsistenz geprüft worden. Seinen Informationen nach kam der Rechnungshof zum Schluss, dass alles in Ordnung ist, sagte Gouverneur Nowotny.

 

 

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Kommentare

6 Kommentare

DAS GOLD IN LONDON WURDE UND WIRD AUCH NICHT HINTERFRAGT...
MAN NIMMT EINFACH ZUR KENNTNIS WAS DIE LEUTE DORT UNS AUF DIE NASE BINDEN...
DIE UNSRIGEN NEHMEN ES SO EINFACH HIN UND GLAUBEN ALLES ...
NOVOTNY IST EIN ABSOLUTER NOBODY UND SOLLTE SCHLEUNIGST VERSCHWINDEN...
NOCH VOR RAIDL...
DAS VOLK WIRD EINFACH VERAR...T.....
OENB NACH WIE VOR SELBSTBEDIENUNGSLADEN PAR EXCELLENCE
...
einfach zum kotzen die partie...
....

verfasst am 28.05.2014, 20:40

verfasst am 27.05.2014, 19:13

kein wunder, bei 1,2 Milliarden pensionszahlungen

verfasst am 27.05.2014, 17:42

Ich bin gespannt, ob der externe Berater auch den Verantwortungsberich Berich von Herrn Novotny durchleucht, ich wette NEIN. Dem Novotny sind doch die Mitarbeiter egal, er soll sich gefälligst einen Pressesprecher suchen, der der deutschen Hochsprache mächtig ist, ein Skandal, wenn man dem zuhört.

verfasst am 27.05.2014, 13:47

verfasst am 27.05.2014, 13:43

Gast: Rudi98 meint

"Ein externer Berater werde daher von Mitte 2014 bis Mitte 2015 die gesamte Ablauf- und Aufbauorganisation der OeNB durchleuchten"............................

"Guten Morgen" Nationalbank!
Jetzt fangen sie erst an, Effektivität und Effizienz zu steigern?
Ja, hat die nun 6-jährige Krise die Herren nicht "wachgerüttelt", um jetzt erst das "Schlaraffenland" auf Kosten, Potenzial und Einsparungen zu durchleuchten?
Jetzt brauch wir, "typisch österreichisch", einen Berater, der ein Jahr lang Zeit hat das "Imperium" der Geldgalaxie zu durchleuchten?

Gehts vielleicht schneller und effizienter???

verfasst am 27.05.2014, 11:58

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