03.08.2015, 06:49  von Wolfgang Tucek

Billionen-Geschäft: Unsere Schattenwirtschaft wächst

Der Linzer Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider hat Zahlen für 2015 ausgerechnet / Bild: (c) FOLTIN Jindrich / WB (FOLTIN Jindrich)

In der EU geht der Anteil der Schattenwirtschaft zurück, in Österreich dagegen wächst er erneut. Heuer werden um die 27,4 Milliarden € an der Finanz vorbei verdient.

WIEN. In der gesamten EU beträgt die Schattenwirtschaft heuer mehr als 2045 Milliarden €. Das klingt viel, bedeutet jedoch einen klaren Rückgang der Schwarzarbeit in 21 von 28 Mitgliedstaaten. Österreich kann mit einer Schattenwirtschaft von nur 8,2 Prozent der Wirtschaftsleistung zwar den niedrigsten Wert in der EU aufweisen – in Europa ist nur die Schweiz mit 6,5 Prozent besser –, doch die Tendenz ist entgegen der europäischen steigend. Nicht weniger als 27,5 Milliarden € werden heuer wohl am heimischen Finanzamt vorbei verdient. Das ergeben Berechnungen des WirtschaftBlatts auf Basis von Kalkulationen des Linzer Wirtschaftsprofessors Friedrich Schneider und BIP-Prognosen des EU-Statistikamts Eurostat.

Leitartikel: Es ist Zeit für harte Strafen

Grund für das Wachsen der Schattenwirtschaft in Österreich sei die kalte Progression und die enorm hohen Steuersätze auf den Faktor Arbeit, erläutert Schneider. Selbst die moderate Entlastung bei den Lohnabgaben in der letzten Steuerreform werde kommendes Jahr wahrscheinlich nur eine Reduzierung der Schattenwirtschaft um ein bis zwei Milliarden € bringen, schätzt er. Genau könne man das noch nicht sagen, weil er noch keine belastbaren Wachstumsprognosen vorliegen habe. Und ein schwaches Wachstum und unglückliche wirtschaftspolitische Entscheidungen begünstigten das Wachstum der Schattenwirtschaft am meisten, sagt der Volkswirt.

Am weitesten verbreitet sei diese in Österreich in der Bauwirtschaft, dem Kfz-Bereich, im Gastgewerbe und Tourismus sowie haushaltsnahen Dienstleistungen wie Pflege, Putzen, Nachhilfe und Kinderbetreuung.

Um gegen die Schattenwirtschaft effektiv vorzugehen, hat Schneider grundsätzliche und konkrete Vorschläge: Steuer- und Sozialabgaben müssten sinken, das stärke die Steuermoral, lasse die Schwarzarbeit schrumpfen und führe somit zu größeren Steuereinnahmen, die wiederum weitere Steuersenkungen ermöglichten, skizziert er das Idealszenario. Leider funktioniere das aber auch umgekehrt. Und die Schattenwirtschaft in Österreich wächst nach Schneiders Berechnung seit 2013: Damals lag sie bei 7,5 Prozent des BIP und 24,2 Milliarden €, im Vorjahr bei 7,8 Prozent (25,7 Milliarden €), um heuer bei 8,2 Prozent und 27,5 Milliarden zu landen.

Um dieses Anwachsen zu bremsen, oder noch besser umzukehren, empfiehlt er der Regierung einige Sofortmaßnahmen: Den Handwerkerbonus solle man flächendeckend einführen, das bringe rund eine Milliarde € weniger Schwarzarbeit. Arbeitsintensive Dienstleistungen bei der Altbausanierung sollen von der Umsatzsteuer befreit werden, bis die Bauwirtschaft wieder in Schwung kommt. Das reduziere die Schattenwirtschaft um etwa zwei Milliarden €. Wirtschaftliche Tätigkeiten im Umfang von drei bis vier Milliarden € könnten wiederum durch eine Minijob-Regelung nach deutschem Vorbild ans Licht gebracht werden. Dabei werden Lohnnebenkosten für Einkommen von bis zu 450 € pro Monat stark gesenkt. Zudem müsse es eine Deregulierung geben: „Ein Zimmermann sollte ruhig auch ein Dach decken dürfen“, sagt Schneider.

Größer als Österreichs BIP

Mit seiner wachsenden Schattenwirtschaft sitzt Österreich mit Belgien, Frankreich, Luxemburg, Malta und Ungarn in einem Boot, wobei Letztere bereits deutlich über dem ungewichteten EU-Durchschnitt von 18,3 Prozent liegen. Die großen Brocken in absoluten Zahlen machen freilich die größten Volkswirtschaften aus, auch wenn sie bis auf Italien unter dem EU-Schnitt liegen. So stellt Deutschlands inoffizielle Wirtschaft mit 367,1 Milliarden €, die heuer konstant bleibt, locker Österreichs BIP in den Schatten, das Eurostat für heuer auf 334,7 Milliarden € schätzt. Auch die italienischen Schwarzarbeiter erwirtschaften mehr.

Schneider hat die Anteile der Schattenwirtschaft am BIP der EU-Staaten anhand des sogenannten MIMIC-Verfahrens ermittelt. Dabei nähert er sich ihrer Größe anhand von quantitativ erfassbaren Ursachen wie Steuerbelastung und Regulierungsdichte sowie Indikatoren wie Bargeldumlauf und offiziellen Arbeitszeiten an, in denen sich Schwarzarbeit widerspiegeln kann.

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Kommentare

21 Kommentare

Gast: Wahr meint

Die Wirtschaft in Österreich/Europa (Südländer besonders) ist so konzipiert, dass die Leute wirklich glauben, dass die Welt so funktioniert, wenig verdienen, den Staat selbst missbrauchen und vom Staat, missbraucht zu werden, so bleiben die "kleinen" Leute ruhig, anstatt mehr zu verdienen, besser Löhne zu verlangen, sind die Menschen zufrieden, wenn sie unversteuert, im Pfusch, andere beschäftigen können, weil dann haben sie sich etwas erspart, stimmt nicht, die meisten Pfuscher verlangen mehr als der "ehrliche" Gewerbetreibende.

verfasst am 03.08.2015, 17:27

Telefoniert mit Callprotector eine App fuer Android und iPhone Handys, dann kann Väterchen Staat (Finanz) nicht mehr mithöre.

verfasst am 03.08.2015, 16:38

Pfusch = finanztechnische Notwehrmassnahme

verfasst am 03.08.2015, 15:35

Wer hat diesen Leitartikel geschrieben? Der Finanzminister vielleicht? Für einen durchschnittlich verdienenden Menschen ist es in Österreich unmöglich in einem solchen Ausmaß zu konsumieren, dass das Wirtschaftswachstum angekurbelt wird, wenn nicht schwarz gearbeitet wird. Es wir mehr Geld ausgegeben, es werden weniger Kredite benötigt.. klingt doch alles ziemlich gut für uns Normalbürger, oder? Wäre ja alles schön und gut, wenn nicht diejenigen, die ohnehin genug zur Verfügung haben und nicht schwarz arbeiten gehen müssen, aus welchen Gründen auch immer, permanent darüber nachdenken würden, wie sie den kleinen Steuerzahler mit seinem Durchschnittseinkommen und dem schönen "Bonus", der durch die Schwarzarbeit verdient wird, quälen könnten. Allein der EU-Durchschnitt zeigt deutlich, dass hier kein akuter Handlungsbedarf besteht. Zuerst sollte man sich darum kümmern, dass die großen Konzerne die Gewinne aus ihren Niederlassungen in Österreich nicht in Länder mit niedrigen Steuern transferieren, sondern hier ihre Abgaben leisten, genau wie wir Bürger das tun. Damit wäre der "Verlust", den es durch die Schattenwirtschaft gibt, mehr als nur kompensiert.

verfasst am 03.08.2015, 14:56

Wie klug von den Österreichern,sich mit Pfusch gegen die unsäglichen Auswüchse dieser Föderalkleptokratischen Kammerochlokratie zur Wehr zu setzen.

verfasst am 03.08.2015, 13:59

Wenn jeder Arbeiter auch 20.000Euro und mehr im Monat verdienen würde bräuchte niemand "schwarz zu arbeiten oder lassen". Wen man das Material vom Fachhändler oder vom Baumarkt kauft zahlt man auch Steuern und die Erzeugerfirmen leben davon. Die fleißigen Arbeiter die nach Feierabend noch arbeiten geben das verdiente "Schwarzgeld" wieder aus und das kommt der Wirtschaft zugute. Ohne "Schwarzarbeit " kann man sich kein Haus leisten ohne in die Schuldner-Falle zu tappen usw......

verfasst am 03.08.2015, 12:05

Österreich wird das nächsten Griechenland werden, bzw. ist es das längst. Ein absurd angeschwollener Staatswirtschaftbegünstigentumor hat seine Metastasen bis in die letzten Teile des Volkskörpers verbreitet. Dort gibt es auch noch immer das sonst so sehnsüchtig herbeigebetete "Wachstum". Die gegenseitig Begünstigten leben in Saus und Braus und schreien, wie etwa der unsägliche AK-Häuptling Muhm, gleich gierigen Geierkindern nach Vermögenssteuern, wenn es für das Wampenvollschlagen aus den diversen Zwangsabgabentrögen mal wieder knapp wird. Pensionisten mit ganz gewöhnlichen Aktiv-Angestelltenverhältnissen aus der AUVA genehmigen sich EUR3000,00 Nettoruhebezüge - Zahlen in der "Bilanz" dazu werden gerne mal mit 3 bis 4 Jahren Verspätung bekanntgegeben. Dafür werden für Zigmillionen Beitragsgelder Dummdreistinserate auf Kindergartenniveau geschaltet. Immer mehr Leute merken, dass sie einer hemmungslosen staatlichen Selbstbedienungsmaschine gegenüberstehen und verweigern, soweit es geht, zurecht jede weitere Unterstützung diese auch die Griechen in den Schatten stellende Staatsoligarchenbegünstigungswirtschaft. Jede Einschnitt in die Eiterbeule wird mit dem Salzamtwort von den "wohlerworbenen Rechten" abgeschmettert, während der Apparat keine Hemmungen hat, die Daumenschrauben bei der fiskalischen Ausplünderung weiter anzuziehen. Die Verantwortlichen können sicher sein, dass niemand eine "Troika" daran hindern würde, in diesem Saustall ein paar gezielte Stiche anzusetzen.

verfasst am 03.08.2015, 10:43

ES I S T DAS NÄCHSTE GRIECHENLAND! Nicht nur bei der Pro-Kopf-Verschuldung, sondern auch aufgrund des absurd aufgeblähten Verwaltungsapparats, der versäumten Reformen, der exorbitant hohen Steuern (die durch die Reform ja nur - teilweise zeitverschoben - auf den Mittelstand abgewälzt werden usw.), einer unglaublichen Misswirtschaft etc.

verfasst am 03.08.2015, 15:16

in meinem bekanntenkreis habe ich 2 finanzbeamte,die aufgrund horrender preise selbst pfuscher für haus und garten beschäftigen.sie sagen,dass das auch bei vielen ihrer kollegen so gemacht wird.

verfasst am 03.08.2015, 10:12

...und es giibt auch eine erkleckliche Anzahl von pfuschenden Fianazbeamten, und da meine ich aber nicht den derzeit amtierenden "pfuschenden" Finanzminister!

verfasst am 03.08.2015, 11:40

Welcher Pfusch? Der bei der HETA? Bei der ÖVAG? Bei der Kommunalkredit? Bei den Landeshaftungen? Beim Finanzausgleich? Bei der Steuerreform? (Steuerpflicht für Einlagenrückzahlungen!). Bei der Isolierung einer Finanzelite, während der normale Staatsbürger als "Abschleicher" kriminalisiert wird (Vermögensträger in Schweiz, Liechtenstein etc. bleiben nämlich völlig unbehelligt!)? Der Pfusch bei der Registrierkasse? Es fehlen die Zeilen, um den Umfang der Pfuscherei entsprechend zu "würdigen"!

verfasst am 03.08.2015, 15:22

Gast: Pappel meint

Der Pfusch ist nur die Flucht vor einer Bedrohung, nämlich der Steuer und den Abgaben. Solange unsere Politiker nicht fähig zu Sparmaßnahmen und Schuldenreduzierung sind, wird man immer mehr Steuern und Abgaben einheben müssen, bis unser System dem der Griechen ähnelt!
Ein Teufelskreislauf, den die politische Führung sicherlich auch kennt, aber auf die nächsten Wahlen spekulierend keine unpopulären Maßnahmen setzen will oder kann!
Aussitzen scheint die Devise, wie man als aktuelles Beispiel bei der Hypo Kärnten es unschwer erkennen kann, was dabei rauskommt.
Unsere Politikerführung macht mir mittlerweile Angst und keine Alternative ist in Sicht.

verfasst am 03.08.2015, 08:54

2013 wurde dich der Arbeitsmarktzugang für Ausländer geöffnet! Außerdem Mindestsicherung und a bisserl pfuschen ist viel lukrativer.

verfasst am 03.08.2015, 08:48

Bekomme keine Österreicher mehr als Abwäscher und Stubenmädchen -burschen. Flüchtlinge würden gerne arbeiten, dürfen aber leider nicht. Ich sperre bald zu.

verfasst am 03.08.2015, 08:20


Ein "Hotelbesitzer" in seiner Existenz bedroht von Tellerwäschern . . .



Wie originell !

verfasst am 03.08.2015, 10:32

Ich denke das der Pfusch auch deswegen steigt weil die Menschen nicht mehr an den Staat glauben. Das liegt wieder daran das wir immer nur belogen werden. Vom Staat, der Kirche, den Konzernen. Die Menschen fühlen das auf die eine oder andere Weise. Mitarbeiter in Firmen merken schon sehr früh das es bergab geht, auch wenn das Management noch alles schön redet. Und auch unsere Politiker streuen uns Sand in die Augen, nur um am Futtertrog ganz vorne zu stehen.

Oder wer glaubt das Griechenland jetzt gerettet ist. Ich habe meine Firma nach Singapur verlegt, ich habe 30 Jahre viel Steuer bezahlt und das ist auch OK. Aber wenn ich mir ansehe was in theoretisch Pension bekomme, und ich dann ein bißchen rechne, weiß ich das ich wieder belogen werde. Es geht nur Un Machterhalt und nicht um Problemlösungen.

Daher lösen die Menschen die Probleme jetzt selbst.

verfasst am 03.08.2015, 07:03

Gast: DOE meint

Eine theoretische Summe! Wenn - ebenfalls theoretisch - kein Pfusch mehr stattfindet, gäbe es geschätzt 90% der Arbeiten nicht! Dadurch würde aber auch kein Material (mit MWSt) gekauft! Mit den Pfuscherlösen werden schließlich auch wieder Waren und Dienstleistungen (mit MWSt) erworben! Mein Ansatz ist, dass ohne Pfusch möglicherweise die Steuerleistung zurückgeht! Und kosten tun die Razzien auch genug den Steuerzahlern! Aber ich bin kein Professor ;-)

verfasst am 03.08.2015, 00:23

Gast: Egonk meint

Sie haben völlig recht. Das mit Pfusch verdiente Geld, wird sofort wieder der Wirtschaft zugeführt und zwar zu 100%, denn kaum jemand der pfuscht kann es sich leisten große Sparkonten anzuhäufen, oder sein Geld außer Landes zu schaffen. Und dann zahlt der Pfuscher Steuern. Kann natürlich sein, dass er sein Geld Konzernen in den Rachen schmeisst, die grundsätzlich keine Steuern zahlen. Aber das ist ja wieder eine ganz andere Geschichte, die Volkswirte wie Hrn. Schneider nur bedingt aufregt.

verfasst am 03.08.2015, 09:03

Besser um 3 Euro pro Stunde eine Arbeit als gar keine.

verfasst am 02.08.2015, 23:58

und der "Chef" verlangt/bekommt € 50,00 die Stunde. Frage, wovon lebts Du dann bei € 3,00 Stundenlohn?? Weil € 3,00 Stundenlohn ist zum leben zuwenig und zum sterben zuviel.....

verfasst am 03.08.2015, 14:39

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