14.01.2016, 07:33  von André Exner

Wiener Büromarkt erholt sich sprunghaft

DC Tower in Wien / Bild: WB/Peroutka

Jahrelang war der Wiener Büromarkt im Dornröschenschlaf. Das ist vorbei: Käufer und Mieter zeigen seit Mitte 2015 reges Interesse. Deswegen steigen die Preise und die Mieten.

WIEN. Wer heuer ein neu errichtetes Bürohaus beziehen möchte, hat nicht die Qual der Wahl: Er zieht ins Telegraf 7. Das Projekt des privaten Entwicklers JP Immobilien ist die einzige nicht eigengenutzte Neuentwicklung im laufenden Jahr. Das bedeute aber nicht, dass der Wiener Büromarkt zum Stillstand gekommen ist, sondern nur, dass der Zyklus den Tiefpunkt erreicht habe und der Markt wieder steige, sagt Michael Zöchling, Chef der Unicredit-Bank-Austria-Tochter BAR.

2017 kommen – wie 2012 bis 2015 – wieder mehr als 100.000 Quadratmeter auf den Markt, 2018 rechnet Zöchling mit einem rasanten Anstieg der Neuflächenproduktion auf 400.000 bis 700.000 Quadratmeter, „wobei die Zahl meiner Meinung nach eher am oberen Ende dieser Skala liegen wird“, wie er zum WirtschaftsBlatt sagt.

Dabei profitiert der Markt nicht nur vom Anziehen der Konjunktur. Vielmehr haben internationale Immobilieninvestoren Wien auf die Landkarte genommen – und sie suchen in erster Linie sogenannte Core-Immobilien, voll vermietete, neue Bürohäuser in den besten Lagen. Vor allem aus den USA sei das Interesse sehr hoch, sagt Zöchling. Den Trend bestätigen ebenso andere Makler: „Auch Koreaner, Kanadier und Investoren aus dem arabischen Raum kommen nach Wien. Das gab es bisher nicht“, meint Michael Ehlmaier, Geschäftsführer von EHL Immobilien. „Österreichische institutionelle Anleger sind hierzulande im Vorjahr erstmals in der Minderheit gewesen“, sagt Andreas Ridder, Chef von CBRE Österreich.

Eine neue Umfrage von EY bei potenziellen Investoren zeigt ein ähnliches Bild: Mehr als die Hälfte erwartet, dass die Preise von Bürohäusern in durchschnittlichen bis sehr guten Lagen heuer zumindest stabil bleiben, jeder Vierte geht von deutlich steigenden Preisen aus.

Zöchling erwartet, dass die Preise für Core-Immobilien um 20 Prozent steigen und die Renditen damit deutlich unter vier Prozent fallen. „Das wäre dabei noch lang nicht das Niveau von London oder Paris, sondern in etwa von München“. sagt er. Auch börsenotierte Konzerne wie Immofinanz und CA Immo, bei der Büroentwicklung derzeit nur im Ausland aktiv, könnten, angespornt von der positiven Marktentwicklung, ein Comeback auf ihrem Heimmarkt feiern. Bei den Spitzenmieten erwartet der BAR-Chef „dass wir heuer die 30 € pro Quadratmeter im Monat sehen werden: Das wird auch in Madrid gezahlt, und der spanischen Wirtschaft geht es nicht besser als unserer.“ Das würde einem Plus von zehn Prozent entsprechen. Die Kehrseite der Medaille: Nicht alles ist Core. Es gibt immer mehr alte Bürohäuser in Randlagen, die man selbst über den Preis nicht vermieten kann.

DC Tower: Verkauf naht

Dass die Transaktionen das Rekordniveau von 2015 (rund 3,5 Milliarden €) übersteigen, erwarten nicht alle – EHL und CBRE sagen ja, BAR nein, „weil das Angebot fehlt“, wie Zöchling meint. Einer der größten Deals heuer dürfte der Verkauf von Österreichs höchstem Gebäude DC Tower werden, der das Preisniveau von 300 Millionen € knacken könnte. „Der DC Tower ist nun einmal das beste Haus am Platz“, sagt der BAR-Chef. „Es wird heuer 90 Prozent Vermietung erreichen, und wir haben laufend Anfragen von Investoren, wann es so weit ist, damit sie ihr Anbot stellen können.“

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