31.01.2016, 21:54  von André Exner

Steuererhöhung schadet dem Kapitalmarkt

Aufgrund der teils negativen Realverzinsung steht das Sparbuch im Kreuzfeuer der Kritik. Nun wird es zumindest steuerlich besser gestellt. / Bild: (c) Willfried Gredler-Oxenbauer

Die seit 1. Jänner höhere Wertpapier-KESt auf Aktien, Fonds und Anleihen verunsichert Privatanleger. Weil weniger Geld zu Unternehmen fließt, leidet auch die Wirtschaft.

Wien. Seit 1. Jänner ist in Österreich das Sparbuch das steuerlich attraktivste Investment – wer in Aktien, Fonds oder Anleihen investiert, muss nämlich vom Ertrag 27,5 Prozent KESt abführen, während es beim Sparbuch und Bausparer bei 25 Prozent bleibt. Zudem lassen sich in Österreich – anders als beispielsweise in den USA – Verluste aus Wertpapier-Investments nicht von der Einkommensteuer absetzen. Sprich: Steigen die Kurse, schneidet der Staat ein Scheibchen ab – fallen sie, trägt der Anleger die vollen Kosten.

Die Erhöhung ist für den in Österreich sowieso schwachen Kapitalmarkt nicht förderlich, meinen Experten. „Es bleibt abzuwarten, ob die privaten Anleger sich aufgrund dessen gänzlich aus dem Kapitalmarkt zurückziehen und zum Sparbuch zurückkehren, oder ob sie mangels lukrativer Anlagealternativen dennoch dem Markt treu bleiben“, sagt Dieter Hengl, Bank-Austria-Vorstand Corporate & Investment Banking.

„Kontraproduktiv“

„Eine Erhöhung der Kapitalertragsteuer macht Geldanlage in Wertpapiere natürlich nicht attraktiver“, sagt Ernst Huber, Chef des führenden Onlinebrokers Hello Bank. Es gebe vereinzelt Kundenanfragen zum Thema, aber nicht weniger Trades. Allerdings ist der Jänner allein nicht signifikant – die Umsätze waren aufgrund des Ausverkaufs an den Börsen deutlich höher als in früheren Vergleichszeiträumen.

„Jede Erhöhung der Wertpapier-KESt ist für die Motivation des Privatanlegers, sich mit dem Kapitalmarkt auseinanderzusetzen, kontraproduktiv“, sagt Julia Resch, Sprecherin der Wiener Börse. Dabei wäre die Bereitstellung von Risikokapital durch langfristige Investments privater Investoren absolut fördernswert und ein wichtiger Faktor für eine Volkswirtschaft, sagt sie: „Der Anteil der Privatanleger ist derzeit leider sehr gering.“ Eine Folge der Wertpapier-KESt, die 2012 eingeführt wurde – zuvor waren Kursgewinne aus Aktien nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei.

Nun gibt es Gerüchte, dass die Wertpapier-KESt steigen könnte – so wurde die Immo-ESt heuer von 25 Prozent gleich auf 30 Prozent erhöht. „Eine weitere Erhöhung wäre ein weiteres negatives Signal an den österreichischen Kapitalmarkt“, warnt BA-Vorstand Hengl. Die Wiener Börse schlägt vor, die Steuer für Investments über fünf Jahren Behaltedauer gänzlich abzuschaffen. „So könnte man private Anleger motivieren, ihr Kapital langfristig dem Kapitalmarkt zur Verfügung zu stellen“, sagt Resch.

Wohnbaubanken erfreut

Die Profiteure der Erhöhung der Wertpapier-KESt sind die Wohnbaubanken: Wohnbauanleihen bis zu vier Prozent Jahreskupon sind für private Zeichner von der KESt befreit, was sich auch nach der Steuerreform nicht ändert. „Die höhere Kapitalertragssteuer auf Wertpapiere macht Wohnbauanleihen noch interessanter für private Anleger“, sagt Ernst Karner, Chef der Erste-Group-Tochter S Wohnbaubank: „Durch die KESt-Befreiung steigt der Steuervorteil und dadurch der Ertrag nach Steuern.“
Die S Wohnbaubank hat vor, das Emissionsvolumen heuer zu steigern. Im Vorjahr betrug das Volumen der Wohbaubanken 81,8 Millionen €.

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