23.02.2016, 11:20  von Leo Himmelbauer

Novomatic blättert 309 Millionen Euro für Einstieg in Australien hin

Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Der Glückspielkonzern Novomatic übernimmt für mehr als 300 Millionen Euro die Mehrheit am aufstrebenden australischen Konkurrenten Ainsworth.

Sein Glücksspielkonzern Novomatic hat Johann Graf reich gemacht. Er ist mit einem geschätzten Vermögen von 7,8 Milliarden Dollar zweitreichster Österreicher (hinter Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz). Im Bloomberg-Ranking der Milliardäre liegt Graf aktuell auf Rang 140. Len Ainsworth hat es zwar noch nicht ins Bloomberg-Ranking der 400 Superreichen geschafft, doch reich ist der 92-jährigige australische Pokerkönig allemal. Das US-Magazin Forbes beziffert sein Vermögen mit 760 Millionen Dollar. Nun verkaufte Ainsworth für umgerechnet 309 Millionen Euro in bar alle seine 172,1 Millionen Aktien des Glücksspielkonzerns Ainsworth Game Technology Limited - an die niederösterreichische Novomatic, die damit knapp mehr als 53 Prozent am aufstrebenden australischen Konkurrenten besitzt.

Wie Ainsworth am Dienstag mitteilte, zahlt Novomatic 2,75 australische Dollar je Aktie - 25 Prozent mehr, als derzeit auf dem Kurszettel stehen.

Len Ainsworth ist eine schillernde Persönlichkeit und in der Glückspielbranche eine Grösse. 1953 gründete er den Automaten-Hersteller Aristocrat, aus dem er sich 1994 wegen einer Krebserkrankung zurückzog. Mit einem Börsewert von mehr als vier Milliarden Euro, eine Milliarde Euro Umsatz und 128 Millionen Euro Gewinn ist die australische Aristocrat ein Big Player. Ainsworth's zweite Firma begann ganz klein und notiert seit 2001 an der  Börse gebracht. Sie ist aber rasch gewachsen. 2012 wurden erstmals mehr als 100 Millionen Euro umgesetzt, 167 Millionen Euro Umsatz und 49 Millionen Euro Gewinn gab es im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2015/16 setzte sich das Wachstum fort. Die Erlöse mit Glückspielautomaten, Videospielen und Jackpot-Systemen stiegen von 77,4 auf 90,2 Millionen Euro, 21,7 Milionen Euro Gewinn wurden erzielt.

Novomatic ist um ein Hauseck grösser. Das Unternehmen setzte im Vorjahr  mit mehr als 24.000 Mitarbeitern in 50 Ländern und 13 Produktionsstätten  zwei Milliarden Euro um. Die Novomatic AG und ihre beiden Schwesterholdings in der Schweiz kommen zusammen auf 3,9 Milliarden Euro Umsatz. Ertragskennzahlen veröffentlicht Novomatic erst im Frühjahr. Im Jahr 2014 hatte die Novomatic AG einen Jahresüberschuss von 277 Millionen Euro eingespielt.

Novomatic-Chef Harald Neumann: "Mit dem beabsichtigten Erwerb der Anteile an Ainsworth, einem der Top-Player in Australasien und in den USA, werden wir nicht nur unseren Marktanteil auf diesen Kontinenten erhöhen, sondern setzen damit auch unsere internationale Wachstumsstrategie konsequent fort. Mit dem Synergietransfer von Know-How, Content und Hightech Gaming-Equipment können wir dadurch unser Potential am weltweiten Gaming-Markt weiter steigern."

Novomatic strebt den Angaben zufolge nicht an, Ainsworth ganz schlucken zu wollen. Len Ainsworth solle Chairman bleiben.

"Es sieht verdächtig aus, dass Novomatic Ainsworth kontrollieren will, aber nicht 100 Prozent besitzt", wird dazu Analyst Joshua Ross von Watermark Funds Management im "Sydney Morning Herald" zitiert. Das aktuelle Angebot erscheine nachteilig für Minderheitsaktionäre. "Novomatic wird vom Zugang zum US-Markt profitieren, allerdings sinken die Aussichten auf eine Übernahme durch einen Dritten", so Ross. Novomatic stimme sich notwendigerweise mit den Minderheitsaktionären ab.

Ainsworth ist im wichtigen Markt Amerika bereits groß im Geschäft. 58 Prozent des Konzerngewinns stammen aus den USA und Co. Im Laufe des Jahres 2016 will Ainsworth sowohl in Nord- als auch in Lateinamerika wachsen. Im April 2016 eröffnen die Australier eine Spielstätte in Las Vegas.

Für Novomatic ist das klassische Casinogeschäft in den USA bisher kein Thema, da es dort oft mehrere Milliarden an Eigenkapital braucht. Im Online-Bereich jedoch setzen die Niederösterreicher stark auf den US-Markt, so bieten sie etwa "Social Games" an. Bei diesen Spielen wird nicht um Echtgeld, sondern um virtuelle Währung gespielt - Glücksspiel ist in großen Teilen der USA verboten.

Pokerkönig Ainsworth will einen größeren Teil von dem, was er durch den Novomatic-Deal einnimmt, spenden. Er denkt an den Medizinbereich oder Unis.

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