08.03.2016, 22:44  von Teresa-Antonia Spari

Registrierkassen lassen die Kassen der Kammer klingeln

Nach Registrierkassen herrscht aktuell verstärkte Nachfrage – auch unter Bauern / Bild: (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Als Eigentümer der LGB Computerdienst GmbH könnte die Landwirtschaftskammer von der Registrierkassenpflicht profitieren. Gewinn bringt auch die gleichnamige Steuerberatung.

WIEN. Über Zusatzgeschäft im Zuge der Registrierkassenpflicht freut sich die LBG Computerdienst GmbH mit Sitz in Korneuburg. Und mit ihr wohl ihr Eigentümer: die Landwirtschaftskammer (LK). Die ober- und niederösterreichische sowie die steirische Landwirtschaftskammer sind wie die Präsidentenkonferenz der LK – direkt oder über Umwege – zu 100 Prozent Inhaber des Herstellers von Soft- und Hardware für die Landwirtschaft.

Zum Thema: Gratis-Registrierkasse hat 7000 Nutzer

Das Unternehmen mit 13 Mitarbeitern verkauft Registrierkassen – vornehmlich an landwirtschaftliche Betriebe. Das Geschäft boomt angesichts der neuen Gesetzeslage: Bisher waren viele Landwirte und Marktfieranten von der Registrierkassenpflicht ausgenommen. Nun müssen sie nachrüsten.

Erst vor Kurzem hatte die Meldung, die österreichische Wirtschaftskammer sei an der A-Trust, Hersteller elektronischer Sicherheitssysteme für Registrierkassen, beteiligt, für Aufregung gesorgt. Die Kammer entkräftete die Vorwürfe, man würde sich auf Kosten der Kammermitglieder bereichern: A-Trust biete die Leistungen zum Selbstkostenpreis an.

Kein Selbstkostenpreis

Anders sieht es beim Blick auf die Homepage der LBG Computerdienst aus: Je nach Modell und Paket kosten die Kassen zwischen 1700 € und 2400 €, was dem üblichen Marktpreis vergleichbarer Hersteller entspricht. Die reine Softwareversion gibt es um 960 €, exklusive Umsatzsteuer. Hinzu kommt eine jährliche Servicepauschale von 144 €. „Wir beteiligen uns an der Diskussion um die Registrierkassen nicht“, heißt es aus der LBG Computerdienst GmbH auf Nachfrage des WirtschaftsBlatts. Auch die Eigentümerschaft bleibt unkommentiert.

„Wir empfehlen keine Kassen bestimmter Hersteller“, heißt es aus der Landwirtschaftskammer. Man informiere stattdessen über Rechtliches. Die LBG sei, so LK-Generalsekretär August Astl, als Vertriebsunternehmen auf dem Markt für Registrierkassen von „untergeordneter Bedeutung. Ihr Gewinn in den letzten Jahren ging gegen null“, schließt Astl einen Nutzen für die Landwirtschaftskammer aus.

36 Millionen € Umsatz

Dennoch lädt LBG in der Steiermark und in Niederösterreich sowie im Burgenland zu „Registrierkassen-Tagen“. „Beratung – Ausprobieren – Fragen klären – Entscheiden“, heißt es in der Einladung. Ebenfalls vor Ort sind Steuerberater der LBG Wirtschaftsprüfung & Steuerberatung. Sie hält 55 Prozent an der LBG Computerdienst und ist selbst – über zwei Beteiligungsgesellschaften – wiederum im Besitz verschiedener Gremien der Landwirtschaftskammer. Das Registrierkassenangebot sei ein Service für Bauern, das in Abstimmung auf die Buchhaltungssysteme der LBG Steuerberatung entwickelt wurde, so Astl weiter. Der Umsatz der Steuerberater-Gruppe lag laut Firmenbuch 2014/15 bei 36,56 Millionen €, das EGT bei 5,3 Millionen €.

Auf der Homepage der LK gibt die LBG Steuerberatung unter ihrem Logo kostenlose Tipps zur Steuerreform. Gleich daneben wirbt die LBG Computerdienst GmbH als eine der wenigen Anzeigen auf der Seite für ihre Agrarsoftware.

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 09.03.2016)

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Kommentare

2 Kommentare

aufderflucht meint

Offenbar hat man die wettbewerbsverzerrende Situation seitens der von der WKO Vetretenen inzwischen bemerkt.

Man möchte ja als naiver Mensch glauben, dass sich eine Kammerorganisation in Österreich wenn überhaupt dann nur in sehr eingeschränktem Ausmaß wirtschaftlich betätigt, weil sie ja eigentlich einen komplett anderen Auftrag hat und nicht in Wettbewerb mit anderen Wirtschaftsteilnehmern treten soll.
Und da mutet es geradezu als Armutszeugnis an, dass die Kammer (ja, auch Pflichtmitgliedschaft!) der Wirtschaftstreuhänder hier seit Jahr und Tag zuschaut: potentielle Wettbewerbsverstöße im Hinblick auf diese Situation werden hier ganz einfach gleich von vorneherein abgewürgt...wahrscheinlich ist es einfach gemütlicher so, nicht anzuecken bei den wahren Machthabern dieser Republik.
...die WT sind bei so einer Politik der Interessenvertretung einfach nur zu bedauern.

verfasst am 09.03.2016, 08:41

aufderflucht meint

verfasst am 09.03.2016, 08:15

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