11.03.2016, 06:48  von André Exner

Sparkurs bei Uniqa trifft die Vorstandsebene

Bild: (c) REUTERS/LEONHARD FOEGER

Konzernumbau: Uniqa, die Nummer zwei auf dem Markt streicht die Hälfte der Vorstandsposten. Auch Marktführer VIG muss sparen.

Wien. Die Uniqa prescht vor: Vorstandsvorsitzender Andreas Brandstetter stellte bereits am Donnerstag die Pläne für die neue Konzernstruktur vor – genau eine Woche vor Elisabeth Stadler, die seit Jänner den größten Mitbewerber, VIG, lenkt und ihre neue Strategie am 17.?März präsentiert. Die Vier-Marken-Struktur wird abgeschafft: Raiffeisen- und Salzburger Landes-Versicherung bleiben zumindest im Namen, FinanceLife wird komplett gestrichen. Die Österreich-Töchter werden bis zum ersten Quartal 2017 in die Mutter integriert, der Vorstand von 22 auf zehn Posten reduziert.
Für die Mitarbeiter soll sich vertragstechnisch nichts zum Negativen ändern, wie auch alle Verträge für die Kunden gleich blieben, wie Brandstetter sagt. Alle Mitarbeiter der betroffenen Rechtsträger seien in der börsenotierten Konzern-Holding angestellt, sagt auch Finanzvorstand Kurt Svoboda. Daher gehe es auch nicht um Änderungskündigungen. Und erst recht soll alles „ohne Kündigungen über die Bühne gehen“, sagt Brandstetter: „Es wird definitiv keine Kündigungswelle geben, die durch das Unternehmen schwappt.“ Allein die natürliche Fluktuation wolle man nutzen. Beim Personaleinsparen fange man bewusst „ganz oben“ an, nämlich bei den Vorständen, sagt der Konzernchef. Die Hebung von Synergien und der Abbau von Führungskräften sollen „einen relevanten zweistelligen positiven EGT-Millionenbetrag“ bringen.

Das wird auch dringend notwendig sein: Heuer dürfte der Gewinn aufgrund eines massiven Investitionsprogramms auf die Hälfte sinken. Darüber tröstet Anleger eine auf 47 Cent je Aktie erhöhte Dividende hinweg, nachdem die Uniqa im Vorjahr mit einem vorläufigen Ergebnis vor Steuern von 422,8 Millionen € das höchste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte erreichte.

Analysten beurteilen die Zahlen für 2015 und den Konzernumbau positiv. „Wir haben erst am Mittwoch unsere aktuelle Einschätzung veröffentlicht, die mit sieben € Kursziel und Accumulate positiv ausfällt“, sagt Erste-Group-Analyst Thomas Unger. „Das Ergebnis war aufgrund einer Wertberichtigung leicht unter den Erwartungen, der Ausblick für 2016 deckt sich mit unseren Schätzungen.“ Dass die Konzernstruktur der Uniqa gestrafft wird, war keine große Überraschung, meint der Analyst: „Das Ziel ist, Kosten zu sparen.“ Wie sich die neue Struktur auswirken werde, müsse man erst abwarten.

Heimmarkt ist gesättigt

In Österreich gibt es 130 Versicherungsunternehmen, die zusammen 60.000 Menschen beschäftigen. Die Uniqa ist vor der Wiener Städtischen der größte Versicherer des Landes – rechnet man die drei Sparten hinzu, die jetzt integriert werden, und zieht den Vergleich zur VIG, ist der Mitbewerber etwas größer. Zusammen kommen beide Anbieter beinahe auf 50 Prozent Marktanteil.

Auf dem gesättigten österreichischen Markt ist Ertragssteigerung eher über Kosteneinsparungen als durch die Steigerung der Prämienvolumina möglich. Die Musi spielt in Osteuropa, wo österreichische Versicherer – allen voran VIG und Uniqa – 100 Tochterunternehmen haben und in den meisten Ländern Marktführer sind: Dort liegen die Prämienaufkommen pro Kopf bei einem Bruchteil des österreichischen Niveaus.

Swiss Life Österreich legt zu

Die Österreich-Tochter des Schweizer Versicherungskonzerns Swiss Life ist mit dem Geschäftsjahr 2015 ebenfalls "sehr zufrieden", wie Geschäftsführer Christoph Obererlacher zum WirtschaftsBlatt sagt. Die Provisionserträge legten um fünf Prozent auf 40,94 Millionen € zu, das EGT wurde um knapp eine Million € auf 2,7 Millionen € gesteigert. Dies sei eine Folge des erfolgreichen Kernproduktes Financial Planning, das genau auf die Lebenssituation der Kunden eingehe und individuelle Lösungen mit streng vorselektierten Anlageprodukten biete, sagt Obererlacher. Financial Planning bewähre sich auch bei turbulenten Kapitalmärkten. „Das zeigt, dass unser Geschäftsmodell goldrichtig ist“, sagt er.

Der Swiss-Life-Österreich-Chef erwartet, dass der Umbruch in der Versicherungs- und Finanzbranche heuer an Dynamik zunimmt. Daher schnürt er derzeit spezielle Pakete für Noch-Bankmitarbeiter, die zu Swiss Life wechseln wollen. Zudem lanciert Obererlacher eine KMU-Offensive mit strategischen Partnern.

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