04.03.2016, 17:43  von Melanie Manner

Sanierung: Förderungen alleine reichen nicht aus

„Diskussion verschiebt sich Richtung leistbares Wohnen." Wolfgang Amann Geschäftsführer IIBW / Bild: Foltin

Der Neubau ist in den ­Vordergrund gerückt, der Markt um thermische Sanierungen bricht ein. Experten erklären die Sanierungsmüdigkeit und was sich dagegen tun lässt.

Als Erster nannte Georg Bursik, Geschäftsführer der Wopfinger Baustoffindustrie, heuer konkrete Zahlen: Das schwindende Interesse der Österreicher an thermischer Sanierung und Wärmedämmung habe 2015 dafür gesorgt, dass sein Jahresumsatz um 5,7 Prozent auf 148 Millionen € gesunken ist.

Eine Sanierungsmüdigkeit bemerken auch die Fensterhersteller. Das Geschäft mit dem Austausch der Fenster brach bei ihnen laut Unternehmensberater Kreutzer Fischer & Partner 2014 um neun Prozent ein und verursachte einen fünfprozentigen Rückgang des Gesamtumsatzes auf 769 Millionen €. Auch heuer soll es laut Josef Kleebinder, Geschäftsführer von Gaulhofer, nicht einfacher werden: „Das Sanierungsgeschäft ist aufgrund der Wirtschaftskrise zu einem großen Teil rückläufig."

Gegenbewegung

Konkurrent Christian Klinger, Miteigentümer der IFN-Holding (zu ihr gehört Internorm), meint hingegen, die Nachfrage sei im Vorjahr wiedergekehrt. Seiner Meinung nach hatte die Krise 2008 einen kleinen Boom bewirkt, nach dem Motto „Grundstück statt Sparbuch". Daraufhin sei naturgemäß eine Gegenbewegung entstanden, die aber nun überwunden wurde.

Daniel Domini, Geschäftsführer von Mineralwolle-Spezialist Saint-Gobain Isover Austria, sieht noch kein Ende dieser Gegenbewegung: Im privaten Einfamilienhausbereich sei in den vergangenen Jahren sehr viel saniert und dafür Erspartes eingesetzt worden. „Heute dagegen sind die Sparbücher nicht mehr so gut gefüllt." Und einen Kredit aufzunehmen, davor würden viele zurückschrecken, weil die Verunsicherung über die wirtschaftliche Zukunft groß sei.

Im gewerblichen Bereich sei die Lage komplexer. „Dort, wo Eigentümer und Nutzer eine Einheit sind, sehen wir ein großes Sanierungsinteresse." Sind Gebäudeeigentümer und Gebäudenutzer nicht ident, seien aber die Interessen zu unterschiedlich: an niedrigen Bau- und Instandhaltungskosten einerseits und niedrigen Betriebskosten andererseits.

„Nicht nachvollziehbar"

Bei Wopfinger werden als Gründe für die mangelnde Begeisterung der Österreicher an der Sanierung der heiße Sommer, niedrige Energiepreise und Kürzungen des Sanierungsschecks angeführt. Diese Sanierungsförderung des Bundes wurde von 100 auf 80 Millionen € im Vorjahr reduziert. Heuer sind es nur mehr 43 Millionen €.

„Das ist nicht nachvollziehbar", sagt Franz Roland Jany, der Geschäftsführer der liquidierten Gemeinschaft Dämmstoff Industrie. Wenn die politischen Vorgaben zur Energieautonomie eingehalten werden sollen, die beispielsweise in Salzburg, Tirol und Vorarlberg bis 2050 strenge Vorgaben zur Einschränkung des Energieverbrauchs vorsehen, dann sei die thermische Sanierung der Gebäude ein absolut unverzichtbarer Aspekt. Um die Schlagkraft seiner Forderungen zu verstärken, hat Jany Anfang des Jahres den Verein GDI 2050 gegründet, an dem neben der Dämmstoffindustrie auch die Hersteller anderer Komponenten von Gebäudehüllen wie Fenster oder Leichtbauplatten teilnehmen sollen.

Derzeit sind es zwölf Mitglieder. Gerade sei beispielsweise eine Studie mit der TU Wien in Arbeit, die belegen soll, dass Förderungen einen Anreiz zur Sanierung darstellen. „Wir werden versuchen, zu erreichen, dass das Sanierungsscheck-Paket aufgeschnürt wird. Doch momentan stehen die Sterne noch nicht so gut."

Zu viel versprochen

Experte Wolfgang Amann, Geschäftsführer der Forschungsplattform Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW), sieht eine Verschiebung der öffentlichen Diskussion Richtung Neubau von leistbaren Wohnungen. Dieser Fokus werde sich auch in Zukunft aufgrund des Zuzugs von Flüchtlingen verstärken.

„Man muss das Thema Sanierung in der öffentlichen Diskussion attraktiver gestalten", glaubt Jany. Energieeinsparung werde immer mit Einschränkungen verbunden, das müsse sich ändern. Mit der positiven Darstellung gibt es aber ein Problem: Einen Grund für die Sanierungsmüdigkeit sieht Amann darin, dass ein implizites Versprechen nicht eingelöst wurde: Nämlich dass die Sanierung alleine aus der Heizkosten-Einsparung heraus finanzierbar sei. „Das ist nicht der Fall. Es gibt verschiedene Quellen, die das belegen." Versprochen werden könne aber, dass die Maßnahmen krisenfest machen und die Immobilie dadurch auch in Zukunft werthaltig bleibt.

Noch nicht erledigt

Noch sei das Thema thermische Sanierung aber nicht erledigt. Dazu sei der politische Druck in Richtung Energieautonomie zu groß. „Ich gehe davon aus, dass das Thema wieder an Fahrt gewinnen wird", sagt Amann.

Mit Förderungen alleine würde der Sanierungsmotor aber nicht ausreichend angekurbelt werden. Amann schwebt ein Modell wie in Deutschland vor: Dort wurde 2008 eine Verpflichtung zur Sanierung der obersten Geschoß­decke eingeführt. Gleichzeitig können aber Eigentümer Maßnahmen zur Energieeffizienz für elf Jahre auf Mieten draufschlagen. Nach Ablauf der elf Jahre ­verbleiben die Mieten auf diesem höheren Niveau.

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5 Milliarden €

Umsatz mit Wohnhaussanierungen

Die Sanierungsrate ist gesunken. Während 2010 durchschnittlich ein Prozent der Hauptwohn­sitze in Österreich Wohnbauförderungen für die umfassende thermische Sanierung erhielten, waren es 2014 nur noch 0,6 Prozent. Besonders sanierungsmüde sind die Wiener, Niederösterreicher und Vorarlberger geworden. Das vormalige Musterland Vorarlberg liegt aufgrund von starker Baupreis­inflation nur mehr bei 0,4 Prozent. 

Die Bauwirtschaft in Österreich setzte mit Wohnhaussanierungen 2014 nur etwas mehr als fünf Milliarden € um, die Hälfte des Volumens im Neubau. Das besagen Zahlen von Euroconstruct, einem Verbund von Bauforschungs­instituten. Fünf Milliarden € sind 1,5 Prozent des österreichischen BIP, ein im internationalen Vergleich geringer Wert: Deutschland und Italien erwirtschaften vier Prozent ihrer gesamten Wirtschaftsleistung mit Wohnungsrenovierungen, der europäische Durchschnitt liegt bei 2,8 Prozent. 

Der Sanierungsscheck löste im Vorjahr mit 80 Millionen € Fördervolumen Investitionen von mehr als 570 Millionen € aus. 2014 waren es 590 Millionen €. Insgesamt 4,2 Milliarden € an „umweltrelevanten Investitionskosten" hat der Sanierungsscheck seit seiner Einführung 2009 bewirkt.

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