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16.11.2012, 08:57 von Thomas Pressberger und Christian Kreuzer
Wien. Bei der Baumarktkette Baumax bröckelt zunehmend der Verputz: Nachdem im Sommer ein Verlust von über 57 Millionen € aus dem Geschäftsjahr 2011 bekannt gegeben wurde, scheint sich die Situation weiter zugespitzt zu haben. Das Vertrauen der Gläubigerschutzverbände in das Unternehmen ist jedenfalls im Sinkflug: „Wir haben die Bonität von Baumax von ,gut‘ auf ,schwach‘ herabgestuft", sagt Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer. Baumax zahle zwar seine Rechnungen noch pünktlich, doch dürfte die Liquidität angespannt sein.
Auch der KSV1870 hat das Rating Anfang November einmal mehr nach unten revidiert: „Wir bewerten Baumax mittlerweile mit einem erhöhten Risiko", sagt Günther Fasching, Leiter der Wirtschaftsinformation beim KSV 1870. Damit ist die Ausfallswahrscheinlichkeit überdurchschnittlich hoch. Mit dem Baumax-Rating gehe es bereits seit 2011 sukzessive bergab. Der KSV gibt keine Kreditempfehlung mehr auf offene Rechnung: „Aus Bonitätsgründen spricht grundsätzlich nichts gegen die Aufnahme einer Geschäftsbeziehung, wir empfehlen jedoch zusätzliche absichernde Maßnahmen", sagt Fasching.
Banken alarmiert
Die Banken sind ob der Geschäftsentwicklung in Osteuropa alarmiert. Mit dem Baumax-Management haben sich die Kreditgeber auf ein „faktisches Stillhalteabkommen" geeinigt. Das besagt, dass die Banken - unter ihnen befinden sich alle heimischen Großbanken - ihre Kredite nicht fällig stellen. „Die Finanzierung wird derzeit restrukturiert", sagt ein Banker. Fakt ist auch, dass die Institute einen weiteren Zuschuss vonseiten der Familie Essl verlangen. Bereits im Vorjahr mussten die Privatstiftungen von Essl senior und junior insgesamt 40 Millionen € lockermachen. Mit diesen Maßnahmen hoffen die Banken, die Baumarktkette stabilisieren zu können.
Aus mit der Situation vertrauten Kreisen hört man, dass Baumax „ein absoluter Sanierungsfall" sein soll. Die Verluste seien „beängstigend hoch" und hätten sich seit dem Sommer noch ausgeweitet. Ohne Gegensteuern werde es zu „riesigen Problemen kommen". Neben einem Manager, der im Sommer geholt wurde, würden die Banken zusätzlich einen externen Berater fordern, der das Unternehmen sanieren solle. Ebenfalls entscheidend sei, wie viel Geld die Eigentümerfamilie Essl noch zuschießen könne oder wolle. Die Eigenkapitalquote der Baumarktkette soll mit 45 Prozent allerdings noch gut sein.
Hohe Verluste
Baumax hat im vergangenen Jahr hohe Verluste erlitten. Sowohl die Baumax AG, die das Österreich-Geschäft und die Holding umfasst, als auch die Baumax-Gruppe - dazu zählen neben der Baumax AG alle in- und ausländischen Tochterunternehmen sowie assoziierte Unternehmen - bilanzierten 2011 tiefrot. Demnach betrug der Nettoverlust der Baumax AG 14,6 Millionen €. Im Jahr 2010 wurde noch ein Gewinn von 18,4 Millionen € erzielt. Belastet wurde das Jahresergebnis 2011 durch außerplanmäßige Abschreibungen von zusammen rund 25 Millionen € in Ungarn und Kroatien.
Operativ schrieb die Baumax AG zwar einen Gewinn von 13,9 Millionen €, was aber dennoch einem Rückgang von fast neun Millionen € gegenüber 2010 entspricht. Die Gruppe fuhr unter dem Strich einen Verlust von 57,2 Millionen € - nach einem Gewinn von 1,5 Millionen € - ein. Die Umsätze der AG stagnierten bei 527,4 Millionen €, der Gruppenumsatz erhöhte sich leicht auf 1,246 Milliarden €, nach 1,220 Milliarden € davor.
Baumax wollte zu den Fragen des WirtschaftsBlatts nicht Stellung nehmen.
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