14.02.2013, 19:15  von Günter Fritz

Anzeige der Hypo gegen Tilo Berlin

Tilo Berlin weiß - noch - von nichts / Bild: WB/Foltin

Affäre - Ex-Bankchef Tilo Berlin sowie zwei Ex-Vorstände werden von der Hypo einer weitgehend unbesicherten Kreditvergabe mit undurchsichtigen Begleitumständen in Höhe von 84 Millionen € bezichtigt.

Klagenfurt. In der juristischen Auseinandersetzung mit ihrem ehemaligen Vorstandschef Tilo Berlin erhöht die Hypo Alpe Adria den Druck: Nach der Ankündigung, ihm im Falle einer von ihm angedrohten 250-Millionen-€-Forderung 385 Millionen € gegenzuverrechnen (das WirtschaftsBlatt berichtete exklusiv) hat die Bank jetzt eine Anzeige gegen ihn, die zwei Ex-Vorstände Josef Kircher und Wolfgang Peter sowie zwei Ex-Mitarbeiter als Beitrags­täter bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eingebracht. Diese bestätigt deren Erhalt.

Firmenankauf

In der Sachverhaltsdarstellung, die dem WirtschaftsBlatt vorliegt, geht es um eine Kreditgewährung der Hypo Bank International an die Helios Properties Ltd. mit Sitz in London in Höhe von 84 Millionen €. Zweck der am 26. März 2008 genehmigten Rahmenfinanzierung sei der Ankauf der Anteile der Poslovni Park Zagreb d.o.o. sowie die Fertigstellung zweier bereits bestehender Lagerhallen und die Entwicklung und Errichtung zweier weiterer Hallen im Rahmen eines Logistikparks gewesen.

 Ein Teil des Kredits in Höhe von rund 40 Millionen € sollte zur Rückführung bestehender Verbindlichkeiten bei anderen Banken dienen. Des Weiteren seien rund 25,5 Millionen € als Gewinnkomponente an die bisherige Eigentümerin der Poslovni Park Zagreb d.o.o., die Mancando Ltd., ausbezahlt worden. Bei dieser Gesellschaft handelt es sich um eine Briefkastenfirma mit Sitz auf den British Virgin Islands.

Aufgrund mangelhafter Projektkalkulation sei 2010 eine Nachfinanzierung von vier Millionen € genehmigt und ausbezahlt worden.

Es bestehe der Verdacht, dass die ehemaligen Hypo-Ver­antwortlichen in kollusiven Zusammenwirkungen rechtswidrig wissentlich ihre Befugnisse missbraucht hätten, heißt es in der Anzeige. Sie hätten Kredite unter mangelnder Bonität der Kreditnehmer vergeben, zwingende Regelungen des Kredithandbuches abgeändert und Empfehlungen der Risikoabteilung zum Nachteil der Bank nicht umgesetzt. Es bestehe der Verdacht der Untreue.

Nutznießer unbekannt

Weiters bestehe der Verdacht, dass Scheinrechnungen der SSI Consultancy in Höhe von 142.853,60 € – mit noch unbekannten Nutznießern – abgewickelt worden seien.
Die Hypo bestätigt die Sachverhaltsdarstellung gegen ehemalige Organe in der Causa Helios. „Die Bank ist über die Jahre an vielen Stellen und in vielen Fällen geschädigt worden. Der infrage stehende Fall ist sicher einer der größten und seine Anzeige ein wichtiger Beitrag beim Versuch, möglichst viel Geld, das der Bank entzogen wurde, wieder zurückzuholen“, sagt Hypo-Sprecher Nikola Donig.

Neben den anstehenden Großverfahren (siehe Artikel rechts) bleibe die Durchleuchtung einzelner Kreditfälle weiter ein wichtiger Teil der Aufarbeitung der risikoreichen Vergangenheit der Bank bis 2009. Donig: „Neben den wirtschaftlichen Beweggründen ist die Bank dazu auch im Rahmen der aktiven Unterstützung der Strafverfolgung verpflichtet.“

Aus dem Büro von Tilo Berlin hieß es auf Anfrage zur Causa nur: „Zu dem von Ihnen angesprochenen angeblichen Vorgang liegen Herrn Dr. Berlin keine Informationen vor. Bitte wenden Sie sich an die damaligen Kreditverantwortlichen, insbesondere des Kreditausschusses.“

75 Anzeigen mit 740 Mio. € Schaden

Die „CSI Hypo“ hat seit 2010 mehr als 1100 ­Kreditfälle systematisch durchgearbeitet. Die Causa Helios sei dabei ein sehr großer Fall. Laut informierten Kreisen decke sich die Causa mit Erkenntnissen aus dem Gutachten von Fritz Kleiner, wonach Ex-Bankchef Tilo Berlin seine Vorstandsrolle nachlässig wahrgenommen habe beziehungsweise dass 25 bis 30 Prozent aller in der Hypo zu bildenden Einzelwertberichtigungen aus der Zeit der Bayern-LB-Eigentümerschaft und damit auch aus jener Berlins stammen.

In Summe hat die Bank unter Führung Gottwald Kranebitters bisher rund 75 Strafanzeigen eingebracht. Die Schadenshöhe, an der sich die Bank in den Anzeigen in der Regel als Privatbeteiligte angeschlossen hat, beträgt mit der jüngsten Berlin-Anzeige rund 740 Millionen €. Dazu kommen die fünf Zivilprozesse in Österreich mit einem Streitwert von rund 110 Millionen €.

Berlin selbst ist mit der aktuellen Anzeige persönlich bei drei großen Themen direkt involviert: Im Zivilrechtsverfahren Consultants (mit seiner Firma) und Vorzugsaktien II (strafrechtlich), die beide im ersten Halbjahr in Klagenfurt eröffnet werden, sowie Helios.

 

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    Kommentare

    1 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    Gourmet meint

    Wenn Macht unverantwortlich ausgenutzt wird,
    dann stinkt es in der Windel der evolutionären Intelligenz.

    verfasst am 15.02.2013, 06:18

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