24.02.2013, 19:52  von Andreas Kolb

Kärnten zwischen Schulden und Schuldzuweisungen

Das Land Kärnten hat laut vieler Industrieller ein Imageproblem bekommen / Bild: APA/Eggenberger

Industrie. Der Standort Kärnten hat in den Augen der Industrie Probleme - und das nicht nur beim Image, das durch die Skandale angekratzt ist, ergab eine Umfrage des WirtschaftsBlattes. Unternehmen erwarten eine bessere Infrastruktur, Schuldenabbau und das Einstellen des politischen Streits.

Klagenfurt. Eines der Hauptprobleme, die die Kärntner Industrie sieht, ist die hohe Verschuldung des Bundeslandes. „Wir haben ein strukturelles Budgetproblem", konstatiert die Vorstandsvorsitzende von Infineon Austria, Monika Kircher. Einem Budgetvolumen von 2,1 Milliarden € im Vorjahr stehe eine Verschuldung von 2,5 Milliarden € gegenüber - dazu kämen 18 Milliarden € an Haftungen. Kircher: „Die Ausgaben Kärntens für Bildung, Wissenschaft, Familie stiegen zwischen 2005 und 2011 um 24,4 Prozent, jene für den Schuldendienst um 138 Prozent, da stimmt die Relation nicht mehr." Ähnlich sieht das Treibacher-Vorstand Rainer Schmidtmayer: „Die finanzielle Lage lässt wenig Handlungsspielraum für eine nachhaltige Verbesserung der Situation."

Aber auch bei der Infrastruktur gibt es Verbesserungsbedarf. „Die direkte Verbindung von Klagenfurter Flughafen zu internationalen Flughäfen ist Voraussetzung, um als Wirtschaftsstandort bestehen zu können. Derzeit ist es für internationale Geschäftspartner nicht möglich in einer akzeptablen Zeit anzureisen", klagt der Treibacher-Vorstand. „Wir sind verkehrsmäßig nicht der Nabel der Welt", bekräftigt Oliver Zlamal, Geschäftsführer der KMF Machinenfabriken. „Wir schielen neidvoll auf Ljubljana mit seinem internationalen Airport."

Die schlechte Erreichbarkeit ärgert auch Hannes Gailer, Geschäftsführer von Wietersdorfer: „Es gibt unzählige Besucher, die per Flugzeug über Slowenien anreisen müssen."

Poblem mit Image

Hans Michael Offner, Geschäftsführer der Offner Unternehmensgruppe, will einen raschen Bau des Semmeringtunnels: „Der niederösterreichische Landeshauptmann hält uns an der Leine, wir Kärntner sind massiv davon betroffen."

Viele Industrievertreter sehen ein Imageproblem des Landes. Verschiedene Vorkommnisse der Vergangenheit müssen nach Ansicht von Kircher aufgeklärt werden, „sonst wird das Imageproblem irgendwann auch wirtschaftliche Auswirkungen zu Folge haben". Von der neuen Landesregierung erwartet die Infineon-Chefin „weniger Verkaufen von Leistungen, die dann zu Lasten des Budgets gehen sondern solide Sacharbeit".

Dass das Image gelitten hat, ist auch für Gailer klar. allerdings betreffe das eher den Tourismus. „Auf die Industrie sehe ich keine unmittelbaren Auwirkungen. Für die Zukunft habe wohl „jeder Kärntner den Wunsch, dass von der Politik endlich wieder solide gearbeitet wird". Für Zlamal wird „die Politik nicht müde, sich selbst mit Schmutz zu bewerfen und Schuldzuweisungen zu verteilen". Und: „Wir sind besser als unser Image, wir können es nur nicht vermitteln." Offner sieht in der Politik mangelnden Respekt voreinander, daran werde in Zukunft gearbeitet werden müssen „statt pausenlos Krieg miteinander zu führen".

 

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Bei den Steigerungen der Ausgaben für Bildung und Schuldendienst stimmen die Relationen in Kärnten nicht

Monika Kircher - Vorstand Infineon

Jeder Kärntner hat wohl den Wunsch, dass von der Politik in Zukunft endlich wieder solide gearbeitet wird

Hannes Gailer - GF Wietersdorfer

Der Landeshauptmann von Niederösterreich hält uns mit dem Semmeringtunnel seit Jahren an der Leine, das betrifft uns alle

Hans Michael Offner - GF Offner Gruppe

Die finanzielle Lage Kärntens lässt keinen Spielraum für eine nachhaltigeVerbesserung der Situation

Rainer Schmidtmayer - Vorstand Treibacher

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