05.03.2016, 18:10  von Matthias Nagl

Salzburg: Exodus ins benachbarte Innviertel

Der Neubau des Unternehmens Heutrocknung wird heuer im April drei Monate früher als geplant fertiggestellt. Die Geschwindigkeit der Verfahren war ein Argument für die Absiedelung aus Salzburg. / Bild: beigestellt

Salzburg verliert immer mehr mittelständische Unternehmen ans ­grenznahe Innviertel. Die ­Gründe sind niedrigere Grundstückspreise und um einiges einfachere Verfahren.

Die Geschichte wird immer mehr zum Fortsetzungsroman: Salzburg verliert nach und nach bedeutende Betriebe ans grenznahe Innviertel in Oberösterreich. Der Fahrzeug-Kabinenbauer Lugstein mit rund 120 Mitarbeitern machte 2008 den Anfang. Das Unternehmen zog als Erstes ins interkommunale Betriebsbaugebiet Inkoba in Lengau ein. An Kosten und Steuereinnahmen sind zwar auch die Salzburger Gemeinden Straßwalchen und Neumarkt beteiligt, das Gewerbegebiet befindet sich aber auf oberösterreichischem Boden in Lengau.

Nun ziehen immer mehr Firmen ins Innviertel. Viele ins ­Inkoba nach Lengau. Aber auch in ­andere Gemeinden, wie Gewürzhersteller Zaltech, der von Anthering nach Moosdorf übersiedelt und heuer einziehen will. Aber nicht nur etablierte Firmen, auch aufstrebende Jungunternehmen siedeln aus Salzburg ab. Etwa die Heutrocknung SR, die aus Straßwalchen ebenfalls nach Lengau wechselt.

Schnelle Expansion

Das 2010 von Josef Reindl gegründete Unternehmen war aufgrund seiner schnellen Expansion auf der Suche nach einem neuen Standort. „Bei mir auf dem Bauernhof war es einfach nicht mehr möglich, die Kundenanfragen zu bewältigen", erzählt Reindl. In Straßwalchen habe er kaum Unterstützung erfahren, also sah er sich nach Alternativen um. Die Entscheidung fiel eindeutig für Lengau. „Ich konnte mir bei der ersten Anfrage schon das betreffende Gelände anschauen. Zwei Tage später hatten sie dort schon das geplante Firmengebäude abgesteckt", sagt Reindl. Der Neubau soll Ende April, drei Monate früher als geplant, fertig sein. Reindl investiert in den neuen Standort 1,8 Millionen €.

Bei der Wirtschaftskammer Salzburg ist man sich dieser Problematik bewusst. Ein Grund seien die niedrigeren Grundstückspreise. „Bei uns beträgt der Quadratmeterpreis inklusive Infrastruktur 65 €, in Salzburger Gemeinden sind 150 bis 180 € normal", erklärt Lengaus Bürgermeister Erich Rippl. Aber auch die Verfahrensdauer treibt die Betriebe aus dem Bundesland. „Mit dieser Frage verbindet sich auch die Aufforderung an Land, Gemeinden und Bezirkshauptmannschaften, Verfahren nicht in die Länge zu ziehen", sagt Helmut Eymannsberger, Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik in der Wirtschaftskammer.

Dieses Problem kann auch Reindl bestätigen: „Die Genehmigung einer Hackschnitzelheizung auf meinem Bauernhof in Straßwalchen hat länger gedauert als das Verfahren für den gesamten Neubau in Lengau. Dort hatten wir auf der Bezirkshauptmannschaft eine Vorbesprechung für die Bauverhandlung. Eine solche Hilfestellung im Vorfeld gibt es in Salzburg überhaupt nicht."

Mit Blick auf den Neubau ist die Heutrocknung SR im vergangenen Jahr um acht auf 22 Mitarbeiter gewachsen. Vor Kurzem erweiterte Reindl auch die Geschäftsführung. Aktuell beträgt der Jahresumsatz des Unternehmens rund neun ­Millionen €. Reindl möchte aber weiterwachsen. Auch diese ­Möglichkeit besteht in Lengau mit einer Option auf zusätzliche 5000 ­Quadratmeter.

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Chronik

Den Anfang machte 2008 der Traktorkabinenhersteller Lugstein. Das Unternehmen zog als Erstes ins interkommunale Betriebsbaugebiet nach Lengau. Auch damals schon waren die Grundstückspreise ein Hauptgrund. 

2013 folgten Förderbandhersteller motion06 aus Neumarkt und das Ladungssicherungsunternehmen Lash und Lift aus Eugendorf. Argumente waren der Preis und die Ausbaumöglichkeiten. 

Aktuell baut Gewürzhersteller Zaltech seine neue Zentrale in Moosdorf. Der Neubau soll im Lauf des Jahres fertig werden. 

Vor Kurzem übersiedelt ist der Nahrungsergänzungsmittelhersteller KS Pharma. Die neue Heimat ist ebenfalls das Inkoba in Lengau.

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