20.12.2012, 11:35

ACC-Insolvenz betrifft 680 Mitarbeiter

ACC in Schieflage / Bild: (c) FOLTIN Jindrich WB (FOLTIN Jindrich WB)

Sanierungsverfahren. Der Kompressorenhersteller will die Fortführung mit Verkäufen und Mitteln der Muttergesellschaft schaffen.

Fürstenfeld. Der oststeirische Kompressorenhersteller ACC Austria GmbH mit Sitz in Fürstenfeld hat am Donnerstag das am Tag zuvor angekündigte Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung am Handelsgericht Graz beantragt. Auch die italienische Muttergesellschaft und die deutsche Tochter sind insolvent, wie von den Kreditschutzverbänden AKV und KSV mitgeteilt wurde. Die rund 680 Mitarbeiter sollen weiterbeschäftigt werden, der Betrieb über den Verkauf des chinesischen Produktionsstandortes bzw. aus Mitteln der Muttergesellschaft geschafft werden.

Die Aktiva belaufen sich auf rund 54,1 Mio. Euro, die Passiva rund 91,5 Mio. (beides going concern Werte), die Überschuldung beträgt somit rund 37,4 Mio. Euro. Von der Insolvenz betroffen sind 473 Gläubiger. Geplant ist, den Gläubigern eine Quote von 30 Prozent, zu bedienen binnen zwei Jahren, anzubieten. Zuletzt wurde ein Jahresumsatz in der Größenordnung von ca. 167 Mio. Euro erzielt.
Nach der Insolvenz der CE Gas Marketing & Trading GmbH mit Sitz in Wien mit Verbindlichkeiten von ca. 124,5 Mio. Euro handelt es sich um die zweitgrößte Insolvenz des Jahres 2012 in Österreich. Auf die betroffenen Dienstnehmer bezogen stellt dieses Verfahren bundesweit sogar die größte Insolvenz dar.

Insolvenz in Restrukturierungsphase

Die Insolvenzursache dürfte mit der wirtschaftlichen Entwicklung der ACC Gruppe und der Wirtschaftskrise verbunden sein: Vor diesem Hintergrund habe die Gruppe bereits 2009 mit einem tief greifenden Restrukturierungsprogramm begonnen, so der KSV. Liquiditätsprobleme anderer Unternehmen des Konzerns hatte die Fürstenfelder ACC abgedeckt. Aufgrund des Insolvenzverfahrens der Muttergesellschaft in Italien sind aber nun offene Forderungen der Fürstenfelder (laut Kreditschützern unter Berücksichtigung von Gegenforderungen) von rund 14 Mio. Euro vorhanden.

Fortführung geplant

Auch die 100-prozentige deutsche Tochter ACC Deutschland befindet sich nach Einleitung eines Konkursverfahrens in Liquidation. Durch diese Insolvenz wurde ACC mit Haftungen aus einer Garantieerklärung in der Höhe von 5,4 Mio. Euro konfrontiert. Den Kreditschützern zufolge sind die Hauptkunden daran interessiert, die Restrukturierung der ACC Gruppe zu unterstützen.
Ab diesem Wochenende sind Wartungsarbeiten vorgesehen, ab Jänner 2013 ist die vollständige Wiederaufnahme der Produktion geplant. An eine Kündigung von Mitarbeitern ist nicht gedacht.

Gute Auftragslage

Der angestrebte Sanierungsplan soll laut AKV insbesondere aus dem Verwertungserlös der zu verkaufenden chinesischen Tochter finanziert werden. Des weiteren sollen Mittel aus der Unternehmensfortführung einfließen. Die Auftragslage sei nach Angaben der Firma gut.
Das Unternehmen, welches als weltweiter Technologieführer hermetisch geschlossene Kühlmittelverdichter für Haushaltskühlgeräte herstellt, besteht seit 1982 in Fürstenfeld. Der Standort Fürstenfeld ist sowohl Produktionsstandort als auch Konzernstandort der ACC Gruppe, für Forschung und Entwicklung am Sektor Haushaltskompressoren. 2008 wurde auch der Zubau des Innovations- und Technologienzentrums bezugsfertig, welches über eine andere Gesellschaft betrieben wird, an welcher die ACC Austria GmbH beteiligt ist. Weitere Niederlassungen gibt es in Deutschland, China und den USA. Der Jahresumsatz belief sich zuletzt auf rund 167 Mio. Euro. Produziert werden jährlich etwa 5,5 bis 6 Millionen Kompressoren, bei einer Exportquote von 95 Prozent.

(APA)

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