28.01.2016, 09:32  von Helmut Bast

Die Steiermark buhlt um Google-Autos

Google steuert mit seinem selbstfahrenden Auto Richtung Österreich. / Bild: (c) Tony Avelar / AP / picturedesk.com

Der steirische Autocluster hat eine Absichtserklärung mit Google unterzeichnet, um dem Internetriesen autonomes Fahren hierzulande schmackhaft zu machen. Österreichs IT- und Mobilitätsbranche ist in dem Sektor längst tätig.

Graz. Neben den Bundesstaaten Nevada und Texas, die massiv um die Gunst der IT-Unternehmen Google und Tesla buhlen, um auf ihren Straßen fahrerlose Autos zu testen, mischt auch Österreich mit. Konkret hat der steirische Autocluster AC Styria, in dem 250 Mobilitätsunternehmen gebündelt sind, mit Google bereits einen Letter of Intent (Absichtserklärung) vereinbart, aus dem hervorgeht, dass „Österreich für Google von hohem marktwirtschaftlichem Interesse ist und Tests hierzulande mehr als in Erwägung gezogen werden“, sagt Franz Lückler, Geschäftsführer des AC Styria dem WirtschaftsBlatt.

Autonom fahren im Schnee

„Global agierende Unternehmen wie Google und Tesla behalten sich stets unterschiedliche internationale Optionen vor“, ist Lückler überzeugt. Anlässlich einer kürzlich vorgenommenen Marktsondierungsreise bei Google, Tesla und Co. im Silicon Valley konnte Lückler feststellen, dass Österreich für ein Google-Engagement besondere Vorteile biete: „Tests auf Schneefahrbahnen, auf gebirgigem Gelände und Kurven mit engen Radien – all das sind Testszenarien, die Google in Kalifornien schwer bis gar nicht vorfindet.“ Die heimische Landschaft sei dafür hingegen prädestiniert. Weitere Trümpfe insbesondere in der Steiermark und in Oberösterreich seien die „massive Dichte an hochinnovativen Zulieferern mit einer ausgeprägten Forschungsaffinität, die bei der Entwicklung von neuen Technologien unabdingbar ist“, so Lückler.
Google und Tesla mischen beim Thema autonomes Fahren an vorderster Front mit und sind derzeit über einen Gesetzesentwurf des kalifornischen Department of Motor Vehicles (DMV) verärgert. Denn die Behörde will autonome Fahrzeuge künftig de facto aus dem Straßenverkehr ausschließen: „Fahrzeuge, die die Fähigkeit haben, komplett ohne die Anwesenheit eines Fahrers zu operieren, werden nicht im Realverkehr zugelassen“, heißt es in dem Entwurf. Die Risken dieser neuer Technologien seien zu hoch, und es brauche „mehr Erfahrungen mit dem Test fahrerloser Autos auf öffentlichen Straßen, bevor man diese Technik der breiten Öffentlichkeit zugänglich“ mache.
Für die Automobilfirmen heißt das, dass Kalifornien lediglich das teilautomatisierte Fahren erlauben will: Der Fahrer muss dauerhaft den Verkehr im Blick behalten und ist auch für jeden Verstoß gegen die Verkehrsregeln verantwortlich. Google, das bereits seit 2009 fahrerlose Autos testet, zeigt sich „tief enttäuscht“. Denn die Branche ist schon weiter: Google hat unlängst ein neues Modell vorgestellt, das auf Lenkrad und Pedale verzichtet (was der neue Gesetzesentwurf verbieten würde). Gänzlich fahrerlose Autos sollen neue Alternativen zu herkömmlichen Transportmitteln schaffen und Verkehrsprobleme lösen. Millionen von Amerikanern könnten laut Google mobiler werden, auch wenn sie selbst keinen Führerschein haben, wegen Krankheit oder Alter nicht mehr fahrtüchtig seien. Autonome Lkw sollen Frachttransporte sicherer machen.
Bedingung, Google die heimischen Straßen wirklich schmackhaft zu machen, ist allerdings, auch hierzulande die rechtlichen Regulative für Tests des selbstfahrenden Fahrzeugs zu schaffen. Die noch vom früheren Verkehrsminister Alois Stöger beauftragte Austria Tech soll bis Jahresmitte eine Lösung für autonome Autos im Realverkehr erarbeiten.

Firmen mischen mit

Heimische IT-Unternehmen indes sind schon stark im Sektor autonomes Fahren tätig: Der Leobener Leiterplattenhersteller AT&S liefert High-End-Leiterplatten für Vorstufen zum autonomen Fahren und forciert die Entwicklung. Sensorenspezialist AMS in Unterpremstätten entwickelt diesbezügliche Sensortechnik. Die Wiener TTTech entwickelt den neuen Audi A8, der pilotiertes Fahren integriert, mit. Und auch das Grazer Forschungszentrum Virtuelles Fahrzeug arbeitet intensiv an diesem Zukunftsthema.

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