11.02.2016, 11:53  von Leo Himmelbauer

Schirnhofer nach Millionenpleite auf Sanierungskurs - Mehr Geld für Gläubiger

Karl Schirnhofer war sichtlich erleichtert / Bild: TANZER Richard / WB

Gläubiger des steirischen Wursterzeugers Schirnhofer nahmen den Sanierungsplan an. 230 Jobs sind damit gerettet, eine höhere Quote gibt es obendrein.

Der steirische Fleischverarbeiter und Wursthersteller Schirnhofer befindet sich wieder auf Sanierungskurs. Wie die Gläubigerschutzverbände AKV, Creditreform und KSV1870 berichten, hat am Donnerstag große Mehrheit der Gläubiger dem zuletzt verbesserten Sanierungsplan zugestimmt. Die Gläubiger erhalten somit 30 Prozent (statt ursprünglich in Aussich gestellten 20 Prozent) ihrer Forderungen, davon 10 Prozent binnen 14 Tagen nach Rechtskraft und weitere 20 Prozent binnen zwei Jahren. Im Fall einer Liquidation des Unternehmens hätten die Gläubiger nur maximal 26 Prozent erhalten. Vereinbart wurde, dass eine gerichtliche Bestätigung des Sanierungsplans erst erfolgt, wenn die erste Teilbarquote bis längstens 31. März bei der Masseverwaltergesellschaft hinterlegt wird.

Für die Finanzierung der ersten Teilbarquote wird es unter anderem notwendig sein, dass die restlichen Kaufpreise aus dem Verkauf zweier verbundener Unternehmungen (Aibler in Oberwaltersdorf und Blasko Convenience-Fertiggerichte in  Bruck an der Mur) kurzfristig einbringlich gemacht werden können. Ebenso laufen Verhandlungen, Zahlungen vorweg auf die Verrechnungsforderung gegenüber der ebenso insolventen Schirnhofer Holding zu erhalten.

Schirnhofer wird somit mit rund  200 Mitarbeitern (zuzüglich 30 Leiharbeiter) fortgeführt. Für rund 80 Arbeitnehmer wird eine Stiftung eingerichtet.  Der Unternehmer Karl Schirnhofer war persönlich bei der Tagsatzung anwesend und machte einen zuversichtlichen und erleichterten Eindruck, berichtete Gerhard Weinhofer von Creditreform.

Die Tagsatzung selbst dauert nicht lange, was auf fruchtbare Gespräche im Vorfeld hinweist. Nun werden weitere Verhandlungen über eine möglichen Beteiligung durch Dritte bzw. Hinzunahme potenzieller Investoren geführt. Auch für die oststeirischen Almo-Bauern - die die Schlachtrinder vor allem aus der Region Almenland liefern - dürfte das Auskommen gesichert sein.

Das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über die Schirmhofer GesmbH war am 1. Dezember 2015 am Handelsgericht Graz eröffnet worden, nachdem einen Tag zuvor über die Handelskette Zielpunkt - ein Hauptabnehmer von Schirnhofer-Produkten - ein Insolvenzverfahren eröffnet worden war. Damit war klar, dass ein Drittel des Umsatzes bei Schirnhofer wegfallen werde. Der Betrieb konnte bei Schirnhofer jedoch aufrechterhalten werden, da vier Banken Fortführungskredite von rund 1,4 Millionen Euro ermöglichten.

Insgesamt haben rund 580 Gläubiger (inklusive der betroffenen Arbeitnehmer) Forderungen in Höhe von 26,9 Millionen Euro angemeldet, davon wurden 18,26 Millionen festgestellt.  Die Firma Schirnhofer Gesellschaft m.b.H. wird parallel Verhandlungen zwecks Hereinnahme eines Investors führen, um nicht nur die Quotenfinanzierungen, sondern auch eine langfristige Sanierung zu erreichen.

Erst am Mittwoch hatte es durch die Bekanntgabe der Insolvenz des Garnherstellers Borckenstein mit rund 290 Beschäftigten inklusive Leiharbeitern schlechte Nachrichten für den regionalen Arbeitsmarkt gegeben.

20.09.2016, 16:52

Management-Buy-out: Neuer Eigentümer bei Isovoltaic

14.09.2016, 19:14

Wieder Insolvenz bei kleinerem steirischem Skilift-Unternehmen

12.09.2016, 16:32

Güterzug in Steiermark entgleist - Südbahn nördlich Graz gesperrt

Kommentare

0 Kommentare

06.09.2016, 07:41

Gläubiger der Pleite-Firma Kresta fordern 140 Millionen Euro

Der Konkurs des Kärntner Anlagenbauers Kresta ist eine der grössten Pleiten des Jahres. Gläubiger müssen sich auf eine längere Verfahrensdauer einstellen.

02.09.2016, 07:54

Jolly übernimmt Traditionsmarke Aero in Slowenien

Jolly-Eigentümer Brevillier erweitert mit dem Zukauf sein Angebot um Flüssigfarben. Das Werk in Celje, zum Teil eine Behindertenwerkstätte, wird modernisiert.

29.08.2016, 16:37

Steirische Firma mit 69 Mitarbeitern wird zugesperrt

Der belgische Konzern OMCO International schliesst mit Jahresende seinen Standort in Köflach. 69 Mitarbeiter haben dann keinen Job mehr.

Bilder des Tages

Umfrage

  • Warum gehen Väter seltener in Karenz als Frauen?
  • Karrierenachteile
  • Angst vor Imageverlust
  • Finanzielle Einbußen
  • Keinen Rückhalt vom Chef
  • Es gehen genug Männer in Karenz