11.02.2016, 15:28  von APA

"Kreditopfer" erheben Vorwürfe gegen steirische Raiffeisenbank

Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Der ehemalige Eigentümer des Modelleisenbahnbauers Roco kämpft auch zehn Jahre nach seiner Pleite gegen Raiffeisen Salzburg. Der Wiener "Kreditopferverein" erhebt schwere Vorwürfe gegen die Raiffeisenbank Deutschlandsberg.

Der Wiener "Kreditopferverein" hat erneut schwere Vorwürfe gegen Raiffeisen erhoben. Es geht um einen Kunden, der von der Raiffeisenbank Deutschlandsberg angezeigt und in der Folge verurteilt wurde, weil er von zwei Konten, die unter seinem Namen liefen, Überweisungen getätigt hat.

Es handelte sich dabei um interne Wertberichtigungskonten, die der Kunde nie zu Gesicht bekommen hätte dürfen. Ein EDV-Fehler, sagt Raiffeisen.

Dem Kunden wurde voriges Jahr der Prozess in Graz gemacht. Er wurde zu einer Haftstrafe von mehreren Monaten verurteilt, bedingt auf drei Jahre. Er ging in Berufung, die Staatsanwaltschaft plädiert nun auf unbedingt.

Der "Kreditopferverein" (KOV) kämpft in der Öffentlichkeit für ihn. Bei einer Pressekonferenz in Wien erläuterte KOV-Vorsitzende Isabella Heydarfadai den Fall: Der Mann habe im Jahr 2014 von seinem Konto bei der Raiffeisenbank Deutschlandsberg 24.000 auf sein Firmenkonto überwiesen und von dort später 4.000 Euro abgehoben. Zwei Wochen später habe er 33.000 Euro auf ein Konto einer Fremdbank überwiesen. Beide Male sei er dafür extra zum Bankschalter gegangen.

Kurz darauf habe er einen Anruf von der Bank bekommen, dass das Geld nicht seines sei, so Heydarfadai. Der Mann sollte eine Schad-und Klagloserklärung unterschreiben, was er nicht getan habe.

Die Erklärung der Bank: Die Konten seien nicht die echten Konten des Mannes gewesen, sondern interne Wertberichtigungskonten. "Wenn ein Kunde zum Beispiel zahlungsunfähig ist und wir einen Ausfall befürchten, sind wir steuerrechtlich und vom UGB (Unternehmensgesetzbuch) verpflichtet, eine Risikovorsorge einzubuchen. Da wird zum Konto ein Subkonto mit einem Guthabenstand angelegt", erklärte der Direktor der Raiffeisenbank Deutschlandsberg, Georg Lampl, auf APA-Anfrage. "Das ist internes Konto, das sieht der Kunde nicht."

Im konkreten Fall sei aber "in der EDV etwas passiert", sodass der Kunde das interne Konto mit dem Guthaben gesehen habe. Bei einem Telefonat sei der Kunde aufgeklärt worden, dass es nicht sein Geld sei. Warum er dann später dennoch am Bankschalter die Überweisung tätigen konnte? "Da sind technisches und menschliches Fehlverhalten zusammengekommen", so der Bankchef. "Schlussendlich hat sich der Kunde Geld genommen, das nicht ihm gehört." Der EDV-Fehler sei jedenfalls behoben.

Eine andere Sicht der Dinge hat der "Kreditopferverein". Vor dem Deutschlandsberger Fall habe sich etwas Ähnliches bei der Raiffeisenbank in Ilz ereignet. Auf dem Wertberichtigungskonto eines Kunden sei ein Guthaben von 163.000 Euro aufgeschienen. "Den Vorwurf eines IT-Fehlers weist Raiffeisen zurück", so Heydarfadai. Raiffeisen spiele die Sache gezielt herunter, die Schuld werde dem "Mädchen am Schalter" zugeschoben, das dann entlassen worden sei. Stimmt nicht, sagt Bankdirektor Lampl: Die Schaltermitarbeiterin habe Raiffeisen verlassen, weil sie ein Studium begonnen habe.

Was Heydarfadai wundert: Bei der Verhandlung des Deutschlandsberger Falls seien Cobra-Beamte anwesend gewesen. Die Anti-Terror-Einheit sei bestellt worden, "weil wir aufgerufen haben, dass Prozessbeobachter kommen sollen".

Für den Kreditopferverein engagiert sich u. a. auch Franz Hörmann von der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. Der streitbare Professor ist bekannt für seine Theorien über die "Luftgeldschöpfung" der Banken. In seinem Buch "Das Ende des Geldes" (Co-Autor ist Otmar Pregetter) erklärte er 2011, "wo unsere 'Krise' herkommt und weshalb das (verzinste Schuld-)Geldsystem die wahre Ursache ist".

Auch Ex-Roco-Eigentümer kämpft gegen Raiffeisen

Der ehemalige Eigentümer und Chef des Salzburger Modelleisenbahnbauers Roco, Peter Maegdefrau, kämpft auch über zehn Jahre nach seiner Pleite gegen Raiffeisen Salzburg. Am Donnerstag gab er gemeinsam mit dem "Kreditopferverein" eine Pressekonferenz, bei der er seine Vorwürfe erneuerte: Raiffeisen habe ihn damals bewusst in Konkurs geschickt und einen Schaden von 83,5 Mio. Euro angerichtet.

Ende 2014 hat Maegdefrau, der wegen der Pleite auch vor Gericht gestanden war, eine "Schadensrechnung" über diesen Betrag ausgestellt. Da der Raiffeisenverband Salzburg (RVS) nicht gezahlt hat, wandte er sich an das Amtsgericht Coburg in Bayern - Maegdefrau ist deutscher Staatsbürger. "Wenn jemand in Deutschland seine Rechnung nicht bezahlt, geht man zum Mahngericht", erklärte er in Wien vor Journalisten.

Dieses Mahnverfahren werde nie eröffnet werden, meinte dazu der RVS-Sprecher. Maedgefrau sei in Privatinsolvenz und bekäme keine Prozesskostenunterstützung. Außerdem seien alle Verfahren, die Maegdefrau gegen Raiffeisen angestrengt hat, beendet - allesamt zugunsten von Raiffeisen. Eingestellt seien auch sämtliche Verfahren, die ein früherer Roco-Betriebsrat ins Rollen gebracht hat, so der Raiffeisen-Sprecher auf APA-Anfrage.

"Bin nicht in Privatinsolvenz"

Maegdefrau, der ehemalige Eigentümer und Chef von Roco, hat die Darstellung des RVS zurückgewiesen, wonach er sich in Privatinsolvenz befände und deswegen keine Prozesskostenunterstützung für ein Mahnverfahren gegen Raiffeisen bekommen werde.

"Der Pressesprecher des Raiffeisenverbandes Salzburg verbreitet eine Unwahrheit, wenn er behauptet, ich sei in Privatinsolvenz und dass somit das von mir angestrengte Mahnverfahren über ca. 83,5 Millionen keine Aussicht auf Erfolg habe", sagte Maegdefrau am Donnerstag Abend zur APA. Tatsächlich habe das Amtsgericht Traunstein seine Privatinsolvenz per 28. Jänner 2016 beendet.

Maegdefrau, der heute nach Eigenangaben mittellos ist und sich gerade einmal eine "klitzekleine" Übergangswohnung leisten kann, gibt nicht auf. Jetzt denkt er über Amtsmissbrauchsanzeigen gegen frühere Verantwortliche der Salzburger Staatsanwaltschaft nach. Diese hätten umfangreiche Vorbringen stets nach kürzester Zeit als strafrechtlich irrelevant abgetan.

Die Behörden, beklagt er sich, nähmen ihn nicht ernst. "Ich werde weggeschickt, wenn ich bei der Staatsanwaltschaft oder beim Landeskriminalamt erscheine. Man tut alles, um zu vertuschen." Raiffeisen sei eben "der größte Gegner, den man sich in Österreich vorstellen kann", so seine Erklärung.

Maegdefrau hat über die Jahre ein ganzes Konvolut an Unterlagen gesammelt, die beweisen sollen, dass er Recht hat. 2005 habe Raiffeisen Roco ein Darlehen über 26,1 Mio. Euro gewährt. Danach sei Roco in Konkurs geschickt worden - mit einer Masse von 62,3 Mio. Euro. Roco sei dann von einer Auffanggesellschaft übernommen worden, hinter der eine Raiffeisen-Privatstiftung gestanden sei. Diese habe die Kreditsumme von 26 Mio. Euro erhalten.

Die Bilanz der Roco-Gruppe habe im Jahr vor der Pleite, 2004, viel besser ausgesehen als zehn Jahre danach. Damals habe der Modelleisenbahnbauer bei einem Umsatz von 40,7 Mio. Euro und 26 Mio. Euro Kreditschulden einen Bilanzverlust von 1,7 Mio. Euro ausgewiesen. 2014 hätten die Schulden 53 Mio. Euro betragen, der Umsatz 49,5 Mio. Euro und der Bilanzverlust 12,4 Mio. Euro.

Dass ihm Raiffeisen Salzburg im Jahr 2011 ein Vergleichsangebot von 1 Mio. Euro gemacht habe, wertet Maedgefrau als Schuldeingeständnis. "Das konnte ich aber nicht annehmen", so der frühere Unternehmer. Mit der Summe wäre er seine Schulden niemals losgeworden. Zustandegekommen sei das ganze, weil ihm der Finanzrechtsexperte Peter Doralt geholfen habe. Dieser habe einen ganzen Tag lang Maegdefraus Unterlagen geprüft und ein Schreiben an Raiffeisen verfasst.

Die Roco-Gruppe hatte 40 Jahre lang der Gründerfamilie Rösler gehört, ehe sie 2002 Maedgefrau übernahm. 2005 schlitterte er in die Pleite: 800 Gläubiger mit 53 Mio. Euro an Forderungen blieben auf der Strecke. Danach wechselte Roco zahlreiche Male den Eigentümer. Zunächst gehörte das Unternehmen dem RVS, dann dem Münchner Bauunternehmer Franz Josef Haslberger, der die Firma wieder an Raiffeisen zurückverkaufte. 2011 nahm ein Sanierer-Trio Raiffeisen Roco und den Konkurrenten Fleischmann ab - Raiffeisen hatte die beiden Modelleisenbahnbauer in eine gemeinsame Holding gebracht. Heute gehört die Modelleisenbahn-Gruppe mehrheitlich dem deutschen Beteiligungsmanager Roland Edenhofer, einen kleinen Teil hält noch Johannes Steinparzer. 2014 fuhr die Modelleisenbahn GmbH laut Firmenbuch in den roten Zahlen: Bei einem Umsatz von 34,8 Mio. Euro gab es ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von -2,3 Mio. Euro und einen Jahresfehlbetrag von knapp 56.000 Euro.

 

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Kommentare

3 Kommentare

Geld aus dem Nichts (2):
Zum o.a. Fall der Raiffeisenbank Deutschlandsberg ist folgendes festzuhalten:
1.) Klar ist, dass interne "Wertberichtigungskonten" N I E dem Kunden ausgehändigt (für eine Überweisung müsste dieser ja das Kontoeröffnungsformula unterschreiben ... und damit einen Vertrag unterzeichnen) werden - also hier liegt der Fehler klar bei der Bank.
2.) Wertberichtigungskonten dienen der Korrektur eines Vermögens (hier - Kreditforderung) und sie werden vorweigend zu Bilanzzwecken/_erstellung angelegt. Von einem internen WB-Konto kann daher NIEMALS eine Überweisung stattfinden!
3.) Nachdem der Kunde aber von diesen Konto - irrtümlich ( ? ) - informiert wurde und das sich sogar ein Guthaben ( ? ) darauf befand, kann dieser nur davon ausgegangen sein, dass es sich um s e i n korrektes Konto handelt! Dass er dann davon Beträge überweist, ist sicher nicht ihm als Schuld anzulasten.
4.) Der Hauptfehler liegt also bei der Bank - was auch durch die Tatsache untermauert wird, dass man eben von internen Konten n i e eine Überweisung tätigken kann, zumal ja dazu die übrlichen BIC/IBAN Nummer notwendig sind!
- - -

Dass das Gericht und noch weniger de Staatsanwalt die elementaren Zusammenhänge kennen, ist erschtternd!

verfasst am 12.02.2016, 13:15

Marcelus meint

Also man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die Bank setzt durch die Anlage von scheinbaren Überweisungskonten (die tatsächlich Wertberichtigungskonten sind) eine Täuschungshandlung, durch die der Konteninhaber(!) erst die Gelegenheit zur Vornahme von Überweisungen erhält (gibt es hiezu Unterschriftsprobenblätter, die ihn berechtigen?). Überweist er nun von diesen Konten, wird der Überweisende (und nicht etwa die Bank) strafrechtlich belangt. Spannend. Man stelle sich dies nun intern vor. Ein Bankmitarbeiter überweist von solchen Sub- bzw. Sachkonten, die offensichtlich wie normale Überweisungskonten funktionieren, einfach Summen von A nach B. Private Geldschöpfung und Sicherheitstechnik auf höchstem Niveau quasi...

verfasst am 11.02.2016, 15:52

mfrei91 meint

Das ganze war einfach menschliches Versagen und kein technischer Fehler, denn als Bankangestellter bei Raiffeisen kann man im Überweisungsprogramm maximal die Kontonummer des Wertberichtigungskonto eingeben und dann kommt auch schon die Fehlermeldung "Kontonummer falsch" und Wertberichtigungskonten sind im Raiffeisensektor auch kein Subkonten, sondern haben einen eigenen Nummernkreis. Die einzige Möglichkeit die ein Angestellter hat, den Betrag manuell auf einem Wertberichtigungskonto zu ändern ist, beim Kunden die wirtschaftliche Einstufung (bankinterne Bonitätsnote) oder/und die Besicherungsnote (also der Wert der Sicherheit zB Hypothek) zu verändern. Diese Wertberichtigungskonten sind ja nur für bankinterne bzw bilanztechnische Zwecke (Kreditrisikovorsorge) da.
Das die Wertberichtigungskonten für die Kunden einsehbar waren, ist auch ganz einfach erklärt und es ist auch diesmal kein technisches Versagen. Man kann als Angestellter bei der Kundenkontenabfrage vorher auswählen zwischen Bank- und Kundenansicht und da hat man halt dem Kunden die Bankansicht gezeigt, wo halt dann Sachen wie ein Wertberichtigungskonto, Bonitätseinstufung oder wie viele Tage man ingesamt im laufenden Jahr den Kontorahmen überschritten hat, angezeigt und das sind alles Dinge die für den Kunden irrelevant sind.
Das "lustigste" dabei ist, wenn es auch tatsächlich so passiert ist, wie oben geschrieben, das die Bank nicht für den eigenen Fehler gerade steht.

verfasst am 12.02.2016, 14:20

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