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16.11.2012, 13:27
Wien. Die Industrie in Österreichs Bundeshauptstadt gerät zunehmend unter Druck, erklärt Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Industrie-Spartenobmann Stefan Ehrlich-Adám.
Ein Hauptgrund seien die Fehler in der kommunalen Standortpolitik. Die schwache Konjunktur würde außerdem für eine angespannte Stimmung bei den Industriebetrieben sorgen. Die größten Probleme sind die behäbige und ausufernde Bürokratie, enorme Gebühren- und Abgaben sowie die Nichtberücksichtigung von Industriezonen in der Stadtplanung. So sei die Fläche für Industriezonen innerhalb der vergangenen zehn Jahre um 16 Prozent geschrumpft.
Schwache Konjunktur
Wie eine aktuelle Konjunkturumfrage ergeben hat, erwarten die Wiener Industriebetriebe schwierige Zeiten für die kommenden Monate. Demnach wird mit einem Rückgang bei der Produktion gerechnet, gleichzeitig seien die Lagerbestände vergleichsweise groß bis zu groß. Die Grundstimmung sei eindeutig negativ.
Die Kapazitäten der Betriebe sind mit 83 Prozent derzeit gut ausgelastet. Die Produktion ist für durchschnittlich fünf Monate gesichert - in konjunkturell guten Zeiten sollen es acht bis neun Monate sein. Für die kommenden Monate könne man trotz negativer ökonomischer Vorgaben von einem stabilen Beschäftigtenstand ausgehen. Es wird aber damit gerechnet, dass die Verkaufspreise in nächster Zeit leicht anziehen.
Verschlechterung bei Standortqualität
In der alle zwei Jahr durchgeführten Umfrage wird die Standortqualität abgefragt. Die Standortvorteile haben gegenüber dem Jahr 2010 an Attraktivität verloren.
Für 68 Prozent der Industriebetriebe ist die Lebensqualität ein Standortvorteil, 2010 hatten noch 79 Prozent Vorteile erkannt. 67 Prozent der Unternehmer sieht in der Hauptstadtfunktion Wiens ein Standortvorteil, was gegenüber 2010 unverändert blieb. Für 66 Prozent ist die Nähe zu den Ostmärkten (außerhalb der EU) vorteilhaft (2010: 68 Prozent). Zu Verschlechterungen kam es offenbar bei der Infrastruktur: 61 Prozent waren zufrieden, 2010 waren es noch 76 Prozent.
Die internationale Anbindung ist für 60 Prozent wichtig. Den Flughafen Wien als Vorteil sahen 2010 noch 70 Prozent der befragten Unternehmen.
Nur noch 47 Prozent der Industriebetriebe erachten die hohe Kaufkraft als Vorteil, 2010 waren es 60 Prozent.
Hohe Betriebskosten und Abgaben werden gleichauf mit hohen Lohnkosten (je 66 Prozent) als Stanortnachteil genannt. Auch die hohe Grundstückspreise (60 Prozent), die übersteigerte Bürokratie (55 Prozent) sowie der Facharbeitermangel (46 Prozent) sind für die Industriebetriebe entscheidende Standortnachteile Wiens.
Betriebsverlagerungen
Rund 13 Prozent der rund 800 Wiener Industrieunternehmen haben in den vergangenen zwei Jahren zumindest Teile ihres Betriebs an einen anderen Standort außerhalb Wiens verlagert. 60 Prozent gingen direkt ins Ausland. Rund 40 Prozent der Unternehmen haben Betriebsteile hauptsächlich nach Niederösterreich verlagert.
Hauptgrund für Absiedlung sind Kostenvorteile gegenüber dem Standort Wien. Am häufigsten wird die Produktion verlagert, aber auch Forschungsabteilungen, Personaladministration oder IT-Services werden abgezogen. In naher Zukunft können sich immerhin acht Prozent der befragten Industrieunternehmen eine Standortverlegung vorstellen. Neben Kostenvorteilen wird auch die übermäßige Bürokratie in Wien ins Treffen geführt.
Die Standesvertretung fordert daher, dass ein One-Stop-Shop eingeführt werden soll, mit dem die bürokratischen Hindernisse abgebaut werden. So sollen auch die fälligen Gebühren und Abgaben künftig mittels einer Abrechung und Überweisung ermöglicht werden. Außerdem sollten zu Vereinfachungen bei den über 8000 Gesetzen und Verordnungen kommen.
(jake)
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Kommentare
2 Kommentare
Gast: Picchio meint
verfasst am 17:56 16.11.2012
Gast: caz meint
verfasst am 09:25 17.11.2012