19.01.2016, 07:03  von Kamil Kowalcze

OMV hat das Schlimmste noch vor sich

Bild: PEROUTKA Guenther / WB

Während die Mitbewerber Entlassungen verkünden, hält sich die OMV bedeckt und versucht ihre Produktionskosten zu senken. Analysten stellen den Österreichern indes kein gutes Zeugnis aus.

Wien. Goldman Sachs, UBS und Morgan Stanley: Die Analysten der weltweit führenden Großbanken sehen in der OMV kein gutes Investment. Seit vergangener Woche empfehlen sie, die Aktien des börsennotierten Öl- und Gaskonzerns zu verkaufen. Der Druck auf Österreichs größten Konzern wird immer größer.
„Die OMV ist eine der größten Enttäuschungen der vergangenen zehn Jahre“, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3-Banken-Generali-Investment. „Damals lag der Aktienkurs bei rund 50 €. Heute, nachdem mehrere Strategiewechsel durchgeführt wurden, liegt er bei weniger als 25 €. Ich würde nicht in die OMV investieren.“

Personalabbau keine Priorität

Der nächste Strategiewechsel steht bereits an. In knapp einem Monat präsentiert der seit Juli 2015 der OMV vorstehende Rainer Seele die Neuausrichtung des Konzerns. Während der mediale Diskurs auf den sich in Ausarbeitung befindenden und immer stärker an politischer Brisanz gewinnenden Anteilstausch mit der russischen Gazprom gerichtet ist, klopft das Management jeden einzelnen Unternehmensbereich auf Einsparmöglichkeiten ab.

Doch für den OMV-General stehen Entlassungen nicht im Vordergrund. Denn es wird – wie Insider berichten und auch an den von Quartal zu Quartal sinkenden Mitarbeiterzahlen ersichtlich ist – laufend reduziert. Dass im Februar ein Personalabbau verkündet wird, ist zwar nicht auszuschließen, aber aktuell konzentriert sich Seele auf die Explorations- und Produktionskosten: Die OMV fördert Öl und Gas im Schnitt um zehn Prozent teurer als die Konkurrenz, gesteht der Vorstandschef ein.

Gas- und Ölpreise sind am Boden

„Die OMV verbrennt Geld. Je mehr sie produziert, desto mehr verliert sie“, sagt Tamás Pletser von der Erste Bank Investment. „Die teuersten Produktionsstätten in Österreich, Rumänien und in der Nordsee könnten geschlossen werden.“
Die Strategie, stärker auf Exploration und Produktion, auch Upstream genannt, zu setzen, habe fehlgeschlagen, sagt der Analyst. Nicht nur der Ölpreis, der am Montag auf unter 28 US-$ je Barrel und somit auf den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren fiel, sondern auch der niedrige Gaspreis trage seinen Teil dazu bei. Der mit dem Öl-Spotpreis vergleichbare Dutch TTF Gas Future lag vor einem Jahr rund 25 € je Megawattstunde – heute sind es rund 14 €, so Pletser.

Um dem Preisverfall entgegenzuwirken und den Cashflow zu erhöhen, hat die OMV bereits einige Maßnahmen gesetzt: 49 Prozent des Gasnetzbetreibers Gas Connect Austria sind zum Verkauf ausgeschrieben; die Gashandelstochter EconGas wird neu strukturiert; der Fokus wurde auf Regionen gelegt, in denen billiger produziert werden kann, wie im Nahen Osten oder in der sibirischen Achimov-Formation. Ob Anteile an den Raffinerien in Schwechat und Burghausen verkauft werden, bleibt indes offen.

Im dritten Quartal 2015 hat die OMV Abschreibungen von einer Milliarde € getätigt. Ein Branchenkenner geht davon aus, dass im vierten Quartal ein ähnlicher Schritt gesetzt wird: „Da der Ölpreis seitdem weiter gefallen ist, wird es wohl zu einer weiteren Wertberichtigung kommen.“

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