16.03.2016, 07:25  von Markus Stingl

Wlaschek-Gruppe zahlt für Herrengassen-Umbau 2,7 Millionen €

Ende April starten die Bauarbeiten für die Neugestaltung der Wiener Herrengasse. / Bild: APA

Die Wiener Herrengasse wird herausgeputzt – finanziert von den Liegenschaftseigentümern. Das WirtschaftsBlatt holt diese vor den Vorhang - und lüftet auch das Geheimnis, welches Schwesternpaar Eigentümer des Hochhauses Herrengasse ist.

WIEN. „Wenn alles nach Plan läuft“, sagt Rechtsanwalt und Sprecher der Initiative „Herrengasse+“, Wolfgang Spitzy, „sind wir im November fertig.“ Dann soll die 430 Meter lange Herrengasse, plus 120 Meter im Bereich Fahnengasse/Wallnerstraße, im 1. Wiener Bezirk in neuem Glanz erstrahlen: verkehrsberuhigt als Begegnungszone, ausgestattet mit neuem Beleuchtungskonzept und hochwertigem Schremser Granit – Letzterer zumindest in jenem Abschnitt, in dem die Fiaker mit ihren bodenzerstörenden Vehikeln nicht verkehren.

Bemerkenswert an diesem Projekt ist aber weniger die konkrete Ausgestaltung, als vielmehr die Geldgeber. Nicht die Stadt Wien, sondern die Liegenschaftseigentümer der Herrengasse bezahlen die Revitalisierung, die rund 5,5 Millionen € kosten wird. „Die Beiträge der Eigentümer sind prozentuell nach der Frontlänge der Gebäude bemessen“, erklärt Spitzy. Doch wer sind diese noblen Spender, die, wie es der Rechtsanwalt formuliert, „der Bevölkerung eine Sanierung schenken“?

Der Platzhirsch in der Herrengasse ist, für Kenner der Immobilienlandschaft in der Innenstadt nicht weiter überraschend, die Wlaschek-Gruppe. Der im Vorjahr verstorbene Billa-Gründer Karl Wlaschek hat die größte Palaissammlung der Welt hinterlassen. In der Herrengasse sind es die Palais Trauttmansdorff, Batthyány, Ferstel und Harrach sowie das Hotel Steigenberger Herrenhof. Da die Wlaschek-Gruppe auf fast 50 Prozent der Frontlängen kommt, wird sie auch die größte Summe schultern: rund 2,7 Millionen €. „Das Grätzel hat viel Potenzial, da ist diese Summe zu verschmerzen“, sagt Michael Mitterdorfer, Vorstand der Amisola AG, einer der drei Immobiliengesellschaften, in denen das Wlaschek-Erbe gebündelt ist.

Die Eigentümer des Hochhaus Herrengasse, die Spitzy rechtlich und strategisch berät, sind prozentuell die zweitgrößten Projektpartner. „Gemeinsam mit der Wlaschek-Gruppe kommen wir auf zwei Drittel“, sagt er. Wer die Eigentümer sind? „Zwei Schwestern.“ Mehr verrät Spitzy nicht. Ein Blick ins Grundbuch fördert die in der Szene unbekannten Namen Amrei Wacha-Meyer-Helbeck und Heila Weckbecker-Erggelet zutage.

Weitere private Projektpartner sind die Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien (Loos-Haus), der Holzindustrielle Gerald Schweighofer (Palais Herberstein), Hans Christoph List, Erbe des 1980 verstorbenen Wiener Garagenkönigs Hans Pruscha (Radisson Blu Style Hotel) und Graf Hans Heinrich Wilczek (Palais Brassican-Wilczek).

Auch die öffentlichen Eigentümer, das Land Niederösterreich (Palais Niederösterreich), das Innenministerium (Palais Modena), das Bundeskanzleramt (Palais Porcia) und die Nationalbibliothek (Globenmuseum im Palais Mollard-Clary) zahlen mit, versichert Spitzy.

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 16.03.2016)

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