19.09.2007, 21:15  von Horst Lukanec

Dienstzeugnis: Die Visitenkarte für neuen Job

Bild: WB/Foltin

Die heutige Arbeitswelt ist dynamisch. Von Arbeitnehmern wird grosse Flexibilität gefordert. Sie müssen sich auf mehrere Jobwechsel während ihrer Berufslaufbahn einstellen.

In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Ausstellung von Dienstzeugnissen an Bedeutung. Schliesslich kann der Inhalt eines Dienstzeugnisses bei künftigen Bewerbungen durchaus die Chancen, die gewünschte Position zu erhalten, beeinflussen.

Vollständigkeit und Wahrheit

Sowohl für Angestellte als auch für Arbeiter sehen gesetzliche Bestimmungen vor, dass der Dienstgeber bei Beendigung des Dienstverhältnisses verpflichtet ist, dem Arbeitnehmer auf Verlangen ein schriftliches Zeugnis über die Dauer und Art der Dienstleistung auszustellen. Dabei sind Eintragungen und Anmerkungen, durch die dem Arbeitnehmer die Erlangung einer neuen Stelle erschwert wird (Erschwernisverbot), unzulässig. Vielmehr hat der Aussteller die Gebote der Vollständigkeit, Wahrheit und der wohlwollenden Formulierung zu berücksichtigen.

Einfaches Dienstzeugnis

Betreffend den Inhalt eines Dienstzeugnisses muss unterschieden werden, ob ein einfaches oder ein qualifiziertes Dienstzeugnis ausgestellt werden soll. Gesetzlich verpflichtet ist der Dienstgeber nur zur Ausstellung eines einfachen Dienstzeugnisses, dessen Inhalt auf Beschreibung der Art und Dauer der ausgeübten Tätigkeit beschränkt ist. Dabei muss aber die Tätigkeit konkret beschrieben werden. Die blosse Angabe etwa "der Arbeitnehmer war als Geschäftsführer tätig" oder "die Arbeitnehmerin war als Sekretärin beschäftigt", würde diesen Erfordernissen nicht genügen.

Nachteilige Angaben

Vielmehr müssen die mit der Tätigkeit als Geschäftsführer bzw. Sekretärin übertragenen Aufgaben einzeln angeführt werden. Im Dienstzeugnis muss weiters der Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses bezeichnet werden. Nicht anzugeben ist hingegen der Beendigungsgrund. Dies könnte nämlich eine unzulässige nachteilige Angabe sein. Auch die Abgabe von Werturteilen ist in einfachen Dienstzeugnissen nicht erforderlich. Da ein einfaches Dienstzeugnis im Regelfall bei einer künftigen Bewerbung keinen ausreichenden "Werbeeffekt" erzielt, wird der Dienstnehmer regelmässig den Wunsch nach Ausstellung eines qualifizierten Dienstzeugnis stellen.

Werturteil über Leistungen

Das qualifizierte Dienstzeugnis beinhaltet zusätzlich zu dem im einfachen Zeugnis enthaltenen Inhalt ein Werturteil über die Leistungen des ehemaligen Mitarbeiters. Obwohl auch für die Bewertungen gilt, dass durch sie dem Arbeitnehmer die Erlangung einer neuen Stelle nicht erschwert werden darf, ist für den Arbeitnehmer Vorsicht geboten. Manchmal werden in Dienstzeugnissen, vielleicht auch unbewusst, Formulierungen verwendet, die auf den ersten Blick positiv wirken, tatsächlich aber negative Werturteile über ehemalige Arbeitnehmer enthalten. Zum Beispiel könnte sich in einem Dienstzeugnis folgende Formulierung finden: "Herr Mayer hat alle Arbeiten ordnungsgemäss erledigt." Klingt positiv, ist es aber nicht. Ein künftiger Arbeitgeber könnte aus dieser Formulierung auch ableiten, dass Herr Mayer nur das tat, was ihm angeschafft wurde und das auch nur in dem Mass, wie es notwendig war.

Vorgeschriebene Formulierungen

Oft wird der Dienstgeber grundsätzlich zur Ausstellung eines qualifizierten Dienstzeugnisses bereit sein. Dabei kann es aber vorkommen, dass er nicht bereit ist, alle vom Arbeitnehmer gewünschten, vielleicht vom Arbeitnehmer schon in einem Entwurf des Dienstzeugnisses vorgeschriebenen Formulierungen aufzunehmen. In einer solchen Situation ist der Dienstgeber aber gut beraten, anstatt längerer Verhandlungen mit dem Dienstnehmer sogleich bei Beendigung ein einfaches Dienstzeugnis auszustellen. Damit hat er seiner gesetzlichen Verpflichtung Genüge getan.

Denn andernfalls setzt er sich dem Risiko einer Klage beim Arbeits- und Sozialgericht wegen Säumigkeit bei der Ausstellung des Dienstzeugnisses oder wegen eines Verstosses gegen das Erschwernisverbot aus.

*) Dr. Horst Lukanec, Partner der Kanzlei Binder Grösswang Rechtsanwälte.

Rechtsanwalt Lukanec ist auf Arbeits- und Gesellschaftsrecht sowie auf Mergers & Acquisitions spezialisiert. Den Beitrag verfasste er gemeinsam mit der Rechtsanwaltsanwärterin Saskia Hardt.

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