03.12.2012, 10:27  von Melanie Manner

"Ich kann Politikern nur empfehlen, die Trending Topics anzusehen"

Medienforscherin Caja Thimm / Bild: Günther Peroutka

Twitter. Die Medienforscherin Thimm ist der Meinung, dass Social Media die politische Landschaft verändern.

Bevor im nächsten Jahr die Vorbereitungen für die Nationalratswahl starten, sollten die Parteien ihre Social-Media-Affinität verbessern. "Ich kann österreichischen Politikern nur empfehlen, sich genau anzusehen, welche die Trending Topics auf Twitter sind" - dieser Hinweis stammt nicht von der x-ten Social-Media-Agentur, sondern von der deutschen Medienforscherin Caja Thimm.

"Digitaler Citoyen"

Sie referierte in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über die Auswirkungen von sozialen Netzwerken auf die politische Kommunikation. Kernstück ihres Vortrags: Der Mensch entwickelt sich zunehmend vom Bürger zum "Digitalen Citoyen", der - angelehnt an die Französische Revolution - wesentlich mehr Anteil an der Gestaltung der Demokratie nimmt. Um zu sehen, was passiert, wenn Politiker die Macht der "Citoyens" unterschätzen, muss man dabei nicht nach Ägypten blicken.

Thimm führt auch das Beispiel "Stuttgart 21" an. Der Konflikt, um den teuren Stuttgarter Hauptbahnhof führte zu "bürgerkriegsähnlichen" Zuständen mit politischen Folgen: Nach Jahrzehnten schwarzer Regierung halfen die Baden-Württemberger den Grünen erstmals an die Regierungsspitze. Nicht möglich gewesen wäre das ohne Twitter. "Twitter dient der Mobilisierung, der Dokumentation und der Bildreportage", analysiert Thimm, die als großen Vorteil des Mediums sieht, dass man in 140 Zeichen eine ganze Geschichte erzählen kann. "Ich halte Facebook für überbewertet, Twitter dagegen für unterbewertet."

Facebook habe sich als Plattform für die Solidierungsaktion um den Arabischen Frühling etabliert. Es bietet den Teilnehmern den Schutz des "internationalen Schaufensters".

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-12-03)

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Zur Person

Caja Thimm Medienforscherin

Thimm ist Professorin für Medienwissenschaft und Intermedialität an der Universität Bonn. Sie war unter anderem Gastprofessorin an der UC Santa Barbara, an der San Francisco State University und an der Liverpool University. Sie forscht seit vielen Jahren zu Onlinemedien -etwa zu Fragen von sozialen Netzwerken, zu Mobilkommunikation oder auch zur Digitalen Demokratie.

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